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Leben im Corona-Modus (II)

Normalerweise gehen wir, wenn wir zwischen den Reisen in Düsseldorf sind, mittags zum Lunch in ein Restaurant oder zu unserer Haus-Metzgerei. Denn glücklicherweise haben wir viele preiswerte Optionen in der fußläufigen Umgebung. Corona verändert dieses Ritual aber. Wir legen uns selbst eine Quarantäne auf, und verzichten auf die mittäglichen Lunchausflüge. Wir lassen liefern – die portionierten Zutaten für ein Mittagessen für zwei Personen von Marley Spoon dreimal die Woche. Daneben verzichten wir weitgehend auch auf Einkäufe. Lebensmittel und andere Güter des täglichen Bedarfs lassen wir uns von REWE liefern, Fleisch von DON CARNE, Getränke von der FLASCHENPOST und Qualitäts-Weine von verschiedenen WEINHANDLUNGEN.

Die zweite Chance: Kochen am heimischen Herd

Zurück zu Marley Spoon. Das Unternehmen war mir bis März 2020 kein Begriff, heute ist es aus unserem Düsseldorfer Leben nicht mehr weg zu denken, ist unser, ist mein kulinarischer Partner geworden. Marley Spoon, das sage ich mit großer Freude, hat mich an den Herd gebracht. Dabei war ich in der Vergangenheit, trotz gelegentlicher Kochkurse,  wenig kochbegeistert. Mit Marley Spoon bin ich zu einem passablen Koch geworden. Zusätzlich zu den drei „Marley-Tagen“ ist die Küche bis zu zweimal die Woche mein Einsatzgebiet.  Wer hätte das vor Corona gedacht, das aus mir mal ein begeisterter Koch werden würde! Meine Frau genießt diese Zeit:  Mann kocht – Frau arbeitet. Wenn ich nicht nach Marley koche, kommen Eigenkreationen auf den Teller.

Marley Spoon hat eine Vielzahl von Gerichten im Angebot. Wir suchen uns pro Woche drei Gerichte aus und zahlen dafür 42,00 Euro, die Portion kostet also 7,00 Euro. Die Lieferung erfolgt jeweils dienstags. In der mit Kühlelementen ausgestatteten Box sind die Gerichte separat verpackt. Für jedes Gericht ist eine didaktisch gut aufbereitete, bebilderte Handlungsanweisung beigefügt. Kochen leicht gemacht.

Gestern habe ich Gericht Nummer 150 zubereitet. Kochen am heimischen Herd ist zum neuen Ritual geworden.

Ende März setze ich mich auch an die finale Fassung meines Manuskriptes für das erste Weltrentner-Buch. Ohne Reisedruck kann ich an meinem Schreibtisch in häuslicher „Corona“- Ruhe das Werk zu Ende schreiben, und dann mit einem kleinen, engagierten Verlag in Düsseldorf umsetzen. Im August halte ich das schwergewichtige Opus in den Händen: 977 Gramm, 372 Seiten, mehr als 300 Insider-Tipps und kulinarische Empfehlungen, 250 Fotos, mehr als 50 Kurzgeschichten, 32 Reiseziele. Natürlich wäre das Buch auch bei fortgesetzter Reisetätigkeit erschienen, hätte aber mehr Zeitdruck bedeutet, vor allem für den Zeitraum zwischen Spanien und Südamerika, also zwischen Mitte Juni und Mitte Oktober. So konnte ich entspannt in die Welt der Buchautoren eintauchen.

Outdoor im Sommer kompensiert die Corona-Situation teilweise. Zumindest ist die Gastronomie geöffnet. Das sollte sich Anfang November ändern.  Dazu fällt mir der „Mops“ ein: Ein Leben ohne Gastronomie ist möglich, aber sinnlos.

Die dritte Chance: Sport

Es war die wohl größte Herausforderung in den letzten zwölf Monaten: Wie halte ich mich fit? Wie schaffe ich es, in der „Covid-Depression“ nicht in Apathie und Passivität zu verfallen? Wie schaffe ich den Ausgleich zu den vielen Stunden sitzend am Rechner (siehe auch erste Chance)? Drei Maßnahmen haben mich „gerettet“:

  1. Das hauseigene Fitnessstudio
  2. Ein Fahrrad
  3. Bewusste Ernährung

Das hauseigene Fitnessstudio

Der Startschuss für unser kleines Fitnessstudio im Haus fällt am 3. Mai 2020. Im April in der ersten Virus-Welle war ich einfach zu ängstlich. Ich beginne mit 30 Minuten auf dem Fahrrad-Ergometer. Ende Mai war ich 15 mal im Studio. Und so geht es weiter. Ende August sind es bereits 52 Trainingseinheiten. Am 4. März 2021 ist es dann soweit: Trainingseinheit Nummer 100. Zu meinem Programm gehören Gewichte, Laufband und Fahrrad-Ergometer.

Im Sommer 2020 stehen natürlich Trainingseinheiten in der Natur im Vordergrund. Was bin ich froh, dass wir im Haus so ein tolles Angebot haben!

Ein Fahrrad

Hätte ich schon im Mai kaufen sollen statt erst im August. Doch lieber spät als nie. Ich wähle bewusst kein E-Bike, sondern ein konventionelles City-Bike.

Auf unseren Reisen war ich oft mit einem Bike unterwegs. Für mich die schönste Art, eine Stadt / Region zu erobern. Also bin ich bis November 12 mal auf Achse – von 25 bis 110 Kilometern Tagesstrecke. Ein unbeschreibliches Gefühl der Freiheit in dieser schwierigen Zeit. Nach der Winterpause ging es vor zwei Wochen wieder los. Düsseldorf und Region werden für verschiedene Blog-Artikel im Fokus stehen. Walking mit Tagesstrecken zwischen 20.000 und 30.000 Schritten komplettiert das Outdoor-Fitnessprogramm.

Bewusste Ernährung

Na ja, zumindest in Intervallen. Auf jeden Fall haben wir uns zu Hause gesünder ernährt als auf unseren Reisen. Nach der Rückkehr aus Valencia brachte ich stolze 93.8 Kilogramm auf die Waage. In der letzten Woche waren es nur noch 86.6 Kilogramm. Ein für mich großartiges Ergebnis – minus 7.2 Kilogramm in zwölf Monaten. Das hätte ich als Weltrentner auf Reisen nie und nimmer geschafft. Das zeigt mir, dass eine Kombination aus regelmäßigem Sport und bewusster Ernährung mittel-und langfristig Früchte trägt. Und das auf Reisen die Verführung, sich kulinarisch „gehen“ zu lassen, sehr präsent ist. Hinzu kommen noch drei positive Nebeneffekte des Shutdown: unser Reisebudget sieht gegenwärtig sehr gut aus, ich bin dabei, Düsseldorf und Umgebung kennenzulernen, und wir können uns intensiver mit neuen Reisezielen beschäftigen.

Übrigens, seit März 2020 sind wir nur einmal für sieben Tage im September über meinen Geburtstag verreist. Nach Büsum. Eine kleine Auszeit von Düsseldorf.

Bei diesen Zeilen drängt sich der Eindruck auf, dass der Shutdown doch gar nicht so negativ, so trostlos war, dass die letzten zwölf Monate für einen Rentner doch keine verlorene Lebenszeit waren wie ich anfangs dachte. Ja, es gibt sie, die positiven Seiten, however, es ist kein Geheimnis: wir wären lieber gereist, hätten gerne in 2020 drei Monate in Spanien und drei Monate in Südamerika verbracht und wären jetzt in der Planung für die zweite Weltreise mit Start im August 2021.

Aus der Not eine Tugend machen, aus der Situation das Beste machen. Ja, ich mache das Beste aus dem „Corona-Modus“, so glaube ich zumindest, aber es muss bald, sehr bald wieder losgehen. Mein Pragmatismus ist nahezu erschöpft. Realistisch betrachtet wird es allerdings noch ein halbes Jahr dauern, bis wir wieder „on the road“ sind.

Und das bringt mich leicht bis mittelschwer in Rage. Natürlich hat sich die Pandemie dynamisch entwickelt, sind exakte Voraussagen über deren Ende nicht möglich. Aber was die Politik seit ungefähr sechs Monaten an Dilettantismus abliefert ist kaum zu ertragen. Vielleicht war ich zu naiv, als ich uns im Herbst / Winter 2020 bis zum Mai 2021 geimpft sah. Streiche das Wort vielleicht. Ende Mai sollte es für zwei Monate nach Skandinavien gehen. Mein Vertrauen in die Kompetenz der Bundesregierung, die Krise effizient zu steuern, war anfangs enorm – „Wir schaffen das“. Heute ist nur noch Wut übrig. Aus drei Wörtern werden vier: „Wir schaffen das Chaos“. Bei Masken, Tests und vor allem bei den Impfungen. Die Bundesregierung ist demaskiert.

Aus meiner, aus unserer Sicht, ist das Thema IMPFEN zentral. Denn wir werden (können) erst wieder starten, wenn wir geimpft sind. Wo wir heute real mit 67 und 62 Jahren stehen, formal in der Prioritätengruppe 3, wissen wir nicht. Wir können nur hoffen, selbst beten schafft keine Wende, dass sich im zweiten Quartal die Impfstoff-Dynamik radikalisiert, dass wir wenigstens bis Ende Juni einen festen Termin für unsere Impfungen haben, sodass wir Flüge und Unterkünfte buchen können.

In der Planung ist das Projekt „Berge und Seen“ mit den Destinationen Italien, Schweiz, Liechtenstein und San Marino. Abfahrt Ende August 2021. Nach den Erfahrungen der letzten Monate mit dem Krisenmanagement der Politik könnte auch dieses Projekt scheitern, obwohl es noch über 150 Tage bis zur Abfahrt sind. Jedenfalls werden wir Ende Oktober über Dubai nach Kapstadt fliegen. Im Notfall lassen wir uns in Dubai impfen.

Fazit: Die letzten zwölf Monate waren trotz der Chancen „Musik, Kochen und Sport“ ein aus Weltrentner-Sicht verlorenes Jahr. Umso mehr freuen wir uns auf die nächsten, hoffentlich pandemie-freien Jahre, die wir intensiv gestalten wollen. Weihnachten 2024 sollte dann Band II von „Mit Frau und Rente um die Welt“ auf dem Markt sein.

 

 

 

 

 

 

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