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Wien – Auf den Spuren berühmter Komponisten

Fast jeder Bezirk in Wien kann Geschichten berühmter Komponisten erzählen. Bei zumeist grauem Himmel und Temperaturen um die Null Grad mache ich mich auf, deren Spuren zu suchen. Spuren von außergewöhnlichen Menschen, die hier gelebt und gewirkt haben. In diesen 14 Tagen schaffe ich allerdings nur einen Ausschnitt, aus Sicht der Musiker und aus Sicht der Schauplätze. Ich freue mich schon sehr auf meinen nächsten Wien-Besuch und die Fortsetzung meiner Spurensuche.

Am Anfang steht der Stephansdom, der „Steffl“, das Wahrzeichen von Wien.

Joseph Haydn (1732 – 1809), den ich im Übrigen bei meiner Spurensuche sträflich vernachlässigt habe, kam mit acht Jahren nach Wien und begann hier seine Karriere als Chorknabe. Im Totenbuch von St. Stephan finden sich Antonio Vivaldi (1678 – 1741), Christoph Willibald Gluck (1714 – 1787), Antonio Salieri (1750 – 1825), Franz Schubert (1797 – 1828) und Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791). Mozart heiratete im Dom seine Constanze (14. August 1782) und ließ in St. Stephan zwei seiner sechs Kinder taufen. Kurz vor seinem Tod am 5. Dezember 1791 hatte er sich auf die gut dotierte Stelle des Domkapellmeisters beworben. Der Tod holte ihn jedoch vor dem offiziellen Amtsantritt. Mozart wurde nur 35 Jahre alt. Tausende von Menschen gaben 1849 Johann Strauss (Vater), 1804 – 1849, das letzte Geleit zu St. Stephan, sein erster Sohn, Johann Strauss (Sohn), 1825 – 1899, heiratete hier, 37 Jahre alt, seine „Jetty“, die 44-jährige Henriette Treffz, Opernsängerin und Mutter von sieben unehelichen Kindern.

Wir gehen in der Singerstraße 7 zum Deutschordenshaus.

Heute Sitz des Hochmeisters des Deutschen Ordens. Der Deutsche Orden ist eine römisch-katholische Ordensgemeinschaft. Mit dem Johanniter – und dem Malteserorden steht er in der Nachfolge der Ritterorden aus der Zeit der Kreuzzüge. Der Orden hat gegenwärtig knapp über 1.000 Mitglieder.

Hier wohnte Mozart vom 18. März bis zum 2. Mai 1781. Diese Wochen sollten für seine Zukunft von entscheidender Bedeutung werden, da er sich mit seinem Dienstherrn, dem Salzburger Erzbischof, überwarf, als Folge kündigte, und dann beschloss, in Wien als freischaffender Künstler zu arbeiten. Auch Johannes Brahms (1833 – 1897) wohnte hier von 1863 bis 1865.

Wir bleiben auf der Singerstraße und kommen zur Nummer 28. 

Bei unserem nächsten Besuch werden wir hier essen.

Das Gasthaus „Zu den 3 Hacken“ war eines der Lieblingslokale von Franz Schubert (1797 – 1828).

Weiter geht es zur Domgasse 5, zum Mozarthaus.

An der „Kreuzung“ Domgasse / Blutgasse.

Hier befindet sich die einzige von einem Dutzend Wiener Wohnungen Mozarts, die bis heute erhalten ist. Sein Domizil (29. September 1784 – 24. April 1787) war im ersten Stock, Geburtsort der Oper „Hochzeit des Figaro“. Auch Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) wollte bei Mozart Stunden nehmen, musste aber wegen seiner todkranken Mutter abreisen, bevor der Unterricht begann. Mit 22 Jahren kam Beethoven wieder nach Wien, da war Mozart bereits tot. Der „Ersatzlehrer“: Joseph Haydn.

Die Wohnung hatte vier Zimmer und zwei Kabinette, kostete 450 Gulden pro Jahr plus Betriebskosten.

In einem Brief von Joseph Haydn an Leopold Mozart „Ihr Sohn ist der größte Komponist, den ich von Person und den Nahmen nach kenne“.

Blick in die Blutgasse aus dem Spielzimmer.

Am Ende der Verdienstskala: Kirchenmusiker in St. Stephan.

Zum Stadtpark sind es nur wenige hundert Meter.

Hier stehen die Denkmäler von Anton Bruckner (1824 – 1896), Franz Lehar (1870 – 1948), Robert Stolz (1889 – 1975), Franz Schubert und Johann Strauss (Sohn). Das Strauss-Denkmal wird als das „Goldene Denkmal“ bezeichnet, der Walzerkönig spielt auf und die Welt tanzt im Dreivierteltakt. Der Strauss-Dynastie widme ich einen eigenen Beitrag.

Bruckner, in Oberösterreich geboren, kam 1868 nach Wien. 1875 wurde er Lektor der Universität Wien. Ab 1892 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand, sodass er seine IX. Symphonie nicht mehr vollenden konnte. Auf Geheiß des Kaisers bekam er eine ebenerdige Wohnung in einem Seitentrakt des Schlosses Belvedere. Am 15. Oktober 1896 wurde er auf seinen Wunsch hin in der Krypta der Stiftskirche von St. Florian (Oberösterreich) beigesetzt.

Lehar, geboren in Ungarn, kam im Alter von 29 Jahren nach Wien. Er gilt als der „zweite Walzerkönig“, ist aber vor allem durch seine Operetten, wie „Die lustige Witwe“ oder „Das Land des Lächelns“, berühmt geworden. Ab den frühen dreißiger Jahren hatte er seinen Hauptwohnsitz im Schikaneder-Schlössel in Wien-Nussdorf, das einst im Eigentum Emanuel Schikaneders, dem Librettisten der Zauberflöte, gewesen war. Lehar starb am 24. Oktober 1948 in seinem Haus in Bad Ischl, in dem auch die meisten seiner Werke entstanden sind.

Stolz war von 1907 bis 1917 musikalischer Leiter am Theater an der Wien. Er kehrte nach verschiedenen Auslandsstationen immer wieder nach Wien zurück. So verbrachte er die NS-Zeit in den USA. Ab 1952 lieferte er die Musik für die legendäre Wiener Eisrevue. „Wenn meine Melodien in den Herzen der Menschen einen Platz gefunden haben, dann weiß ich, dass ich meine Aufgabe erfüllt und nicht umsonst gelebt habe!“ Wien kann stolz auf Robert Stolz sein.

Schubert ist der unumstrittene „Liederfürst“ in der Musik. Seine über 600 Liedkompositionen, etwa der Zyklus „Die schöne Müllerin“ oder die Kompositionen “ Der Tod und das Mädchen“ und „Heideröslein“, werden unsterblich bleiben. Er war Sängerknabe an der Konviktschule des Stephansdoms, erhielt Unterricht von Salieri und lebte ab 1818 als freischaffender Komponist. Am 26. März 1828 veranstaltete Schubert das erste und einzige Konzert im Musikvereinssaal. Wenige Monate danach starb er.

Der Kursalon wurde 1867 erbaut und war Ort vieler Promenadenkonzerte der Strauss-Brüder.

Weiter geht es zum Musikverein am Musikvereinsplatz 1.

Im Großen Saal, auch der Goldene Saal genannt, findet alljährlich am 1. Januar das weltweit übertragene Neujahrskonzert statt. Zum Eröffnungsball im Januar 1870 komponierte Johann Strauss (Sohn) den Walzer „Freut Euch des Lebens“. Brahms übernahm mit 39 Jahren die künstlerische Leitung der Musikfreunde-Konzerte, der zweitgrößte Saal des Hauses trägt heute seinen Namen. Eigentlich wollte Brahms aufgrund seiner Bewunderung für Beethoven nie eine Sinfonie komponieren. „Ich werde nie eine Symphonie komponieren. Du hast keinen Begriff, wie unsereinem zumute ist, wenn er immer so einen Riesen hinter sich marschieren hört“ (Quelle: Brief an einen Freund). Es sollten doch vier Sinfonien werden. 1875 wurde der 15-jährige Gustav Mahler (1860 – 1911) im Musikverein als Schüler aufgenommen und erhielt eine gründliche Ausbildung in Klavier, Harmonielehre und Komposition. Mahler schloss das Studium 1888 mit Diplom ab. Das Musikvereinsgebäude betrat er erst wieder als Leiter der Wiener Philharmoniker. Da ihn diese zwar respektierten, aber nicht sehr liebten, gab er den Posten bereits 1901 zurück.

Auf der anderen Ringseite liegt die Karlskirche mit dem Resselpark. Hier steht ein Denkmal von Brahms, da sich seine Mietwohnung nur wenige Schritte von der Karlskirche entfernt befand. Das Denkmal wurde zehn Jahre nach seinem Tod enthüllt. Brahms, der gemütlich unter Bäumen sitzt, blickt auf „seinen“ Musikverein.

Mit Brahms verbinden sich schöne Anekdoten. Einmal erzählte er seinen Freunden: „Stellt euch vor, ich war letzte Woche im Theater, hinter mir sitzen zwei sehr hübsche junge Damen. Auf einmal höre ich wie die eine zur anderen sagt: Schau, da sitzt der Brahms – sagt die andere: Bitte wer? – Der Brahms! – Nie gehört. Wer ist das? – Da sagt die Freundin: „Hast du noch nie was von ‚Brahms Tierleben‘ gehört?“ Eine andere Anekdote erzählt: Brahms sitzt im Kaffeehaus. Bruckner kommt rein und setzt sich – natürlich nicht zum Kollegen, sondern zu einem anderen Tisch. Es kommt der Kellner zu Bruckner. Dieser bestellt einen Kaffee mit Schlagobers. Brahms ruft hinüber: „Das ist der einzige Punkt, in dem wir uns einig sind.“ Dazu muss man wissen, dass Bruckner ein Fan von Richard Wagner war und Brahms, eigentlich gegen seinen Willen, von seinem Freund Eduard Hanslick, gefürchteter Musikkritiker, zum Wagner -Antipoden gemacht wurde.

Vom Brahms-Denkmal sind es nur wenige Meter bis zur Karlskirche. 

Hier heirateten Johann Strauß (Sohn) seine zweite Frau „Lily“ und Gustav Mahler seine Alma Schindler. Es wurde aber auch getrauert, zum Beispiel für Bruckner am 14. Oktober 1896. Vivaldi wurde damals auf einem Friedhof begraben, der der heutigen TU Wien weichen musste.

Nach wenigen Minuten stehe ich vor der Secession in der Friedrichstraße 12.

Das 1897 / 98 erbaute Gebäude hat eine imposante goldene Blätterkuppel, von den Wienern liebevoll „Krauthappel“ genannt, Hier gib es ein Werk von Gustav Klimt zu bewundern: den 34 Meter langen und zwei Meter hohen „Beethovenfries“, eine Hommage an Beethoven und seine 9. Sinfonie anlässlich einer Beethovenausstellung im Jahr 1902. Mahler, der auch Konzerte in der Sezession leitete, soll auf dem Fries als Ritter in goldener Rüstung dargestellt sein. Der Ritter ist der „Wohlgerüstete Starke“, der für die vor ihm schwebende und stehende „Leidende Schwache Menschheit“ den Kampf um Glück und Liebe aufnehmen soll, angetrieben durch Ehrgeiz (Siegerkranz) und Mitleid.

Weiter geht es zur Wiener Staatsoper.

Das Haus wurde am 25. Mai 1869 mit Mozarts „Don Giovanni“ eröffnet. Direktor mit der längsten Amtszeit war Mahler, genau zehn Jahre, von 1897 bis 1907. Richard Strauss (1864 – 1949), nicht verwandt mit der Strauss-Dynastie, war nur fünf Jahre Direktor. Mahler hat in Wien die Opernkultur revolutioniert. Denn es gelang ihm, Richard Wagners Idee von der Oper als Gesamtkunstwerk zu verwirklichen. Er erzog seine Sänger zu singenden Darstellern, vor allem bei den Werken Wagners und Mozarts. Sein Abgang von der Wiener Oper im Jahre 1907 erfolgte nach etlichen Ärgernissen und Intrigen.

Ein Porträt von Mahler hängt in einem Pausenraum.

Im zweiten Weltkrieg stark beschädigt, wurde das Opernhaus nach dem Krieg wieder aufgebaut und 1955 mit Beethovens “Fidelio“ feierlich eröffnet. An der Rückseite der Oper gibt es zwischen dem Sacher-Eck und dem Eingang zum Hotel Sacher eine Gedenktafel für Vivaldi, der in dem einst hier befindlichen Haus wohnte und am 28. Juli 1741 verstarb.

Über Augustinerstraße und Reitschulgasse kommen wir zum Michaelerplatz mit der Michaelerkirche. In der Kirche spielte der 17-jährige Haydn die Orgel, und hier wurde das Requiem von Mozart nur wenige Tage nach seinem Tod uraufgeführt. Auf dem Michaelerplatz stand bis 1888 das alte Burgtheater, das auch für Opern-Erstaufführungen von Gluck und Mozart genutzt wurde. Auch Beethoven hatte hier im Alter von 24 seinen ersten öffentlichen Auftritt in Wien.

Der Fiaker-Stand am Michaelerplatz.

Weitere Schauplätze im 1. Bezirk folgen in den Blog-Beiträgen „Der Ring der Wiener“ und „Die Strauss-Dynastie“.

Mit der Metro fahre ich nach Heiligenstadt und gehe von dort nach Grinzing. Heiligenstadt ist untrennbar mit Beethoven verbunden. Im Heiligenstädter Park steht ein eindrucksvolles Beethoven-Denkmal.

So wie hier dargestellt, dürfte er auch durch Heiligenstadt gewandert sein: volle Haarpracht, Notenblätter stets griffbereit in der Manteltasche und wahrscheinlich laut vor sich hinbrummend im Kampf mit der Taubheit. An Stelle dieses Parks befand sich zu seiner Zeit eine Badeanstalt mit Heilquelle, von der er sich eine Linderung seiner gastritischen Beschwerden und eine Heilung seines fortschreitenden Gehörleidens erhoffte. Deshalb wohnte er auch in diesem ehemaligen Wiener Vorort.

Die Probusgasse 6 (früher Herrengasse 6) ist schnell erreicht.

Hier schrieb Beethoven 1802 mit 32 Jahren sein Heiligenstädter Testament, einen Brief an seine Brüder, in dem er in emphatischen Worten die Sorge um sein schlechter werdendes Gehör, seine gesellschaftliche Isolation und die daraus keimenden und überwundenen Suizidgedanken beschreibt sowie seinen Nachlass regelt. Obwohl er noch eine Nachschrift verfasste, den Papierbogen faltete und versiegelte, schickte er den Brief, der erst 1827 im Nachlass aufgefunden wurde, nicht ab. Das Haus wurde 1967 von der Stadt Wien gekauft und ist heute Gedenkstätte und Museum.

Über die Grinzinger Straße, vorbei am Beethoven-Grillparzer Haus, erreiche ich nach knapp zwei Kilometern den Friedhof in Grinzing. Hier liegen die Ehrengräber von Mahler und Alma Mahler-Werfel. Mahler starb am am 18. Mai 1911 im Sanatorium Löw in der Mariannengasse 20. Mit ihm im Grab seine Tochter Maria, schräg gegenüber die „Femme Fatale“ Alma Mahler-Werfel mit ihrer Tochter Manon Gropius.

Kaum lesbar. Alma Mahler-Werfel starb 1964 in New York.

Letzte Station der Spurensuche im Januar 2020 ist Schloss Schönbrunn. 

Der heutige Saal in der Orangerie.

In der prächtigen Orangerie fand am 7. Februar 1786 auf Wunsch von Kaiser Joseph II ein denkwürdiger musikalischer Wettstreit zwischen Mozart und dem Hofkapellmeister Salieri statt. Mozart führte den „Schauspieldirektor“ auf, Salieri antwortete mit „Prima la musica e poi le parole“. Der Kaiser entschied sich für Salieri. Im Spiegelsaal des Schlosses gab Mozart das sechsjährige Wunderkind 1762 sein erstes Konzert vor Kaiserin Maria Theresia. Angeblich soll er danach voll Übermut der Kaiserin auf den Schoß gesprungen sein.

 

 

 

 

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