Danke Kapstadt
Danke für drei tolle Monate. Du hast Dich wieder mal in Topform präsentiert. Du bist zwar…
Am 10. März 2020 fliegen wir nach Valencia und freuen uns auf drei Monate Spanien. Sieben Tage später, heute genau vor einem Jahr, wachen wir in unserer Düsseldorfer Wohnung auf und schauen uns erleichtert, aber auch fassungslos an. Was passiert im Moment? Nein, wir sind nicht im Kino, wir erleben Wirklichkeit. Die WHO spricht bereits von einer Pandemie. Mehr und mehr Dämme brechen. Ein unsichtbarer Feind ist dabei, die Welt zu erobern.
In den ersten sechs Wochen sind wir verängstigt. Wir gehen in eine freiwillige Quarantäne, lassen uns Essen und Trinken liefern, gehen nur einmal pro Tag zum Spaziergang in den Park hinter unserem Haus, beachten akribisch die Hygienevorschriften, meiden soziale Kontakte. Von heute auf morgen reduziert sich unser bisheriges weitläufiges Leben auf einen räumlichen Mikrokosmos, auf 64 Quadratmeter, verbunden mit vielfältigen sozialen Einschränkungen für den Alltag. Es ist offensichtlich, dass wir unser Leben temporär neu denken müssen, insbesondere gilt das für mich. Denn meine Frau arbeitet weiterhin als Online-Business-Coach, als Rentner ohne das Präfix „Welt“ brauche ich einen komplett neuen Lebensrhythmus. Aus der anfänglich dramatischen Herausforderung steigen allerdings sehr bald drei Chancen wie Phoenix aus der Asche empor. Chancen, die ich bei Weiterführung des Weltrentner-Lebens so nie kennengelernt und ergriffen hätte.

Die Staatsoper in Wien
Die erste Chance: Musik
Im April beginne ich mit dem Streaming von Opern aus verschiedenen Opernhäusern, vor allem aus der MET in New York und der Wiener Staatsoper. Da Präsenzveranstaltungen in den Opernhäusern nicht mehr stattfinden dürfen, sind Videos aus der Vergangenheit mit bekannten und unbekannten Stimmen die Wahl der Stunde. Es wird ein unvergesslicher Marathon: Von Anfang April bis Ende Juli 2020 höre und sehe ich 110 verschiedene Opern, bis zum Ende des Jahres kommen nochmals 25 dazu. Fantastisch, denn ohne Shutdown hätte ich viele neue Opern und neue Stimmen niemals kennen-und lieben gelernt.
Neue Opern
Natürlich gab es auch viele bekannte „Gesichter“ aus dem großen Repertoire von Richard Wagner, Wolfgang Amadeus Mozart, Giuseppe Verdi oder Giacomo Puccini.

Beispielhaft nenne ich drei herausragende Aufführungen von Richard Wagner
Neue Sängerinnen
Immer wieder faszinieren mich die Stimmen von Hildegard Behrens, Renee Fleming, Jessye Norman und Elina Garanca.

Neue Sänger
Auch hier: Immer wieder faszinieren mich die Stimmen von Luciano Pavarotti, Placido Domingo, Jonas Kaufmann und Rene Pape.
Übrigens, in diesen Opern-Monaten ist mir auch bewusst geworden, dass Südafrika hervorragende Stimmen zu bieten hat: Pretty Yende, Golda Schultz, Elza van den Heever oder Johan Botha. Leider ist Johan Botha, den ich in drei Aufführungen erleben durfte, am 8. September 2016 in Wien gestorben.
Ich bin Opernfreund seit meinem 18. Lebensjahr, aber so tief wie in den vergangenen zwölf Monaten bin ich noch nie in diese Musik eingetaucht. Parallel dazu war es wunderbar, in Musikforen (z.B. im Tamino-Klassikforum) zu surfen und in Opernführern zu lesen. Der Grundstein für den MUSIKRENTNER nach Beendigung des WELTRENTNERS ist gelegt.
Ein zweiter musikalischer Aspekt kommt hinzu. Mein geliebter schwarzer Yamaha GB1-Flügel, den ich vor zehn Jahren in Wedel gekauft hatte, konnte beim Umzug nach Düsseldorf nicht mit in die kleine Wohnung. So musste er anderweitig geparkt werden. Im August 2020 habe ich, mit einem weinenden und einem lachenden Auge, den Flügel gegen ein hochwertiges Digitalpiano, auch von Yamaha, ausgetauscht. Die beiden Umzugskartons mit Klaviernoten wurden in den Folgemonaten reaktiviert, Fingerübungen waren wieder an der Tagesordnung. Ein wunderbares Gefühl, nicht nur Musik zu hören, sondern eigenhändig zu spielen. Ohne Shutdown, da bin ich sicher, hätte ich mir kein Digitalpiano in die Wohnung gestellt.
Da wir nicht mehr zum Mittagessen in unsere Stamm-Metzgerei oder in ein Restaurant gehen, muss jemand zu Hause kochen. Die Wahl fällt auf mich. Ich, der mit Kochen, in der Küche stehen, bislang überhaupt nichts am Hut hatte, beginne also, drei-bis fünfmal in der Woche, in unserer Küche zu „zaubern“. Grundlage ist ein Abonnement bei Marley Spoon. Ende März 2020 geht es los.
In Kürze folgt Teil II.