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Wiener Musikwochen

Der wichtigste Grund für uns, 14 Tage nach Wien zu reisen, ist die Musik. Wien ist für mich die Welthauptstadt der Musik, sollte es irgendwann mal diesen Titel geben. Wiener Klassik und Strauss-Dynastie sind nur zwei außergewöhnliche Stockwerke im „Hochhaus der Wiener Musik“. Sieben Vorstellungen und Aufführungen werden unvergesslich bleiben. Ein Orgelkonzert in der Kirche St. Peter läutet die „Wiener Musikwochen“ ein.

17. Januar: Orgelkonzert in der Kirche St. Peter

Als „Zugabe“ gab der junge italienische Organist die Toccata und Fuge in d-Moll, BWV 565.

Der noch weihnachtlich geschmückte Altar.

Das Konzert ist kostenlos. Am Ausgang besteht die Möglichkeit, zu spenden. Die farbenprächtige Rektoratskirche St. Peter ist eine römisch-katholische Kirche im 1. Bezirk. Das heutige Kirchengebäude wurde 1733 vollendet. Die Kirche liegt auf dem Petersplatz, ganz in der Nähe der Pestsäule. Sie verschwindet fast zwischen den Häusern, ist erst zu sehen, wenn man davorsteht.

In der Fußgängerzone Garben versteckt liegt St. Peter. Direkt davor der weltliche Luxus, Hermes und Escada.

18. Januar: Konzert des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich im Musikverein, Großer Saal

Es schneit. Der erste Schnee im neuen Jahr. Wir sind im Haus der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, kurz auch Musikverein Wien genannt. Das Konzert findet im Saal des alljährlichen Neujahrskonzertes statt. Ein Prachtbau mit einem Prachtsaal.

Der atmosphärisch angestrahlte Musikverein.

Aus diesem Saal wird alljährlich am 1. Januar die Welt bespielt.

Im ersten Teil hören wir das wunderschöne Konzert für Cello und Orchester von Antonin Dvorak. Solist: Daniel Müller-Schott. Nach der Pause spielt das Orchester unter der Leitung von Dmitrij Kitajenko Auszüge aus dem zweiten Akt des Balletts „Der Nussknacker“.

Die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien wurde 1812 gegründet und das Haus 1870 eingeweiht.

19. Januar: Lohengrin in der Staatsoper

Opernkultur in Wien ist kein Low Budget Vergnügen. Je nach Preisgruppe der Veranstaltung kosten die Sitzplätze im Parkett deutlich über 100 Euro. Stehplätze, Parterre, Balkon und Galerie, kosten einheitlich zehn Euro. Aber wer will bei der Länge einer Wagner-Oper stehen? An diesem Abend sind das sehr viele, denn alle Steh-und Sitzplätze sind ausverkauft. Die Wiener Staatsoper hat eine Belegung von 99 Prozent, ein Traumwert für internationale Opernhäuser.

Der Herr wacht über den Abend.

Für mich hat Ortrud den Sängerwettstreit auf der Bühne gewonnen.

Wenn der Direktor des Hauses, Dominique Meyer, kurz vor dem ersten Ton auf die Bühne kommt, ist etwas passiert. „Leider ist unser Dirigent, Valery Gergiev, wie schon vor zwei Tagen, nicht im Haus. Heute wollen wir aber nicht auf ihn warten, dankenswerterweise springt heute Abend Michael Güttler ein“. Und schon geht es los. Michael Güttler ist der dirigierende Sohn des Trompeters Ludwig Güttler.

Die Wiener Staatsoper ist relativ kompakt, ich hätte sie mir großzügiger vorgestellt. Auf jeden Fall ist der mittlere Pausensaal mit den Büsten bekannter Komponisten und Direktoren des Hauses für mich der schönste Saal, um sich zwischen den Akten zu erfrischen.

Glanz und Glorie in der Pause.

Dieser Herr war von 1956 – 1964 Direktor der Staatsoper.

Sänger und Dirigent überzeugen. Das dunkle Bühnenbild, eine, so sah es aus, Wirtsstube mit Tischen und Stühlen, steht für alle drei Akte. Langweilig. Auch die Sänger treten in Dirndl und Lederhose auf – der Chor der Lederhosen, eine neue Erfahrung. Na ja, trotz dieser Inszenierung genieße ich diesen Abend.

Ich sitze im Parkett, Reihe 16, Platz 1. Alle Plätze haben einen eigenen Screen, auf dem in acht Sprachen die Untertitel abgerufen werden können.

Ein Blick von meinem Platz auf den Motivations-Vorhang.

Kurz nach Einlass schaue ich auch in einer Loge vorbei. Edel.

Mit Garderobe und Spiegel. Ich habe mich anfangs gefragt, warum Leute mit ihren Mänteln, Schirmen und Hüten die Treppen hochlaufen – das ist die Antwort.

In der Mitte, direkt hinter den Parkettreihen, gibt es Dutzende Stehplätze. Wer in der letzten Parkettreihe sitzt, zahlt weit über 100 Euro, alle Stehplätze kosten nur zehn Euro.

Nach wenigen Vorhängen tritt der Direktor nochmals ins Rampenlicht.

Die Ehrung von Linda Watson (im roten Dirndl), die auch der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf sehr verbunden ist.

Der Abend klingt mit einer Ehrung aus. Ortrud, Linda Watson, wird zur Österreichischen Kammersängerin ernannt. Deutsche Kammersängerin war sie schon seit 2004. Linda Watson ist als dramatischer Sopran eng mit dem Werk von Richard Wagner verbunden. Ihre Auftritte in Bayreuth sind legendär.

1861 startete das monumentale Ringstraßen-Projekt auf Wunsch von Kaiser Franz Joseph I mit dem Neubau eines Opernhauses. Am 25. Mai 1869 wurde das Gebäude als „Neues Haus“ mit dem Don Juan von Mozart eröffnet. Bis 1955 wechselten die Bezeichnungen des Hauses neunmal. Seit dem 5. November 1955 heißt das Gebäude „Wiener Staatsoper“.

24. Januar: Schwanensee in der Stadthalle

Das St. Petersburg Festival Ballett gibt an zwei Abenden das romantische Märchen über den jungen Prinzen Siegfried, der sich in die Schwanenprinzessin Odette verliebt und sie vom bösen Zauber des Herzogs Rothbart befreit. Am Ende gewinnt die wahre Liebe.

Die Vorstellung war nicht ausverkauft. Für die Besucher war es zum Teil ein Familienausflug, wobei es löblich ist, wenn Kinder und Jugendliche früh an diese Musik herangeführt werden.

Für die Musik ist das Hungary Festival Orchestra verantwortlich. Leider entspricht die Atmosphäre im Saal der Stadthalle nicht den wunderschönen Klängen und der tänzerischen Qualität. Und wieder stelle ich für mich fest, dass ich mich mehr für die Oper als für das Ballett begeistern kann.

Ein Höhepunkt sind die Auftritte aller 48 Schwäne. Zauberhaft.

Was ist schöner als Schwäne, die Applaus entgegen nehmen? Schwäne, die tanzen.

25. Januar: Requiem in der Karlskirche

Es ist kalt in der Kirche. Wir nehmen unsere unnummerierten Plätze um 7:30pm ein, das Konzert beginnt um 8:15pm. Mozart steht heute Abend auf dem Programm, sein Requiem, KV 626, mit dem Chor Cantus XVII und dem Orchester 1756 auf historischen Instrumenten. Als Mozart am 5. Dezember 1791 starb, waren lediglich der Introitus und das nachfolgende Kyrie vollständig instrumentiert. Die ersten acht Takte aus dem Lacrimosa stellen die letzten aus seiner Hand. dar. Franz Xaver Freystädtler und Franz Xaver Süßmayr ergänzten und vollendeten das großartige Werk.

Wunderschön von außen …

… leider eine Teilbaustelle von innen. Die Kugel an der Decke zeigt den Zuschauerraum, hinten die gut zu erkennende Orgel.

Natürlich waren auch Musiker, Chor und Solisten warm angezogen.

Kaiser Karl VI. gelobte 1713 während der großen Pestepidemie in Wien nach deren Ende eine Kirche zu bauen. Die Inschrift über dem Haupteingang „Vota mea reddam in conspectu timentium deum“ bedeutet „Ich will mein Gelöbnis erfüllen vor denen, die Gott fürchten“. Die Grundsteinlegung erfolgte am 4. Februar 1716.

26. Januar: Ludwig van Beethoven Messe C-Dur, op. 86, in der Hofburgkapelle

Sonntag. Wir gehen zur Heiligen Messe in die Hofburgkapelle. Beginn: 9:15am. Es ist ein „normaler“ Gottesdienst mit musikalischer Begleitung. Neben den Wiener Sängerknaben, dem Herrenchor der Wiener Staatsoper und Mitgliedern der Wiener Philharmoniker glänzt die Choralschola der Hofburgkapelle, zuständig für die gregorianischen Gesänge zwischen den Beethoven-Kompositionen.

Der Gottesdienst beginnt in fünf Minuten. Wir sitzen auf der mittleren Empore links. Über uns Orchester und Sänger.

Als Zugabe singen Wiener Sängerknaben, diesmal vor dem Altar, ein kurzes Werk von Felix Mendelssohn Bartholdy „Hebe deine Augen auf“.

Die Hofburgkapelle ist die älteste Kapelle der Hofburg und Hauskapelle der Habsburger. In ihr konzertierte die von Maximilian I. gegründete Wiener Hofmusikkapelle, deren Tradition von den Wienern Philharmonikern und den Wiener Sängerknaben fortgeführt wird.

27. Januar: Konzert in der Orangerie von Schloss Schönbrunn

Am letzten Abend fahren wir zu den Schönbrunner Schlosskonzerten, leichte Musik in historischem Ambiente.

Orangerien dienten ursprünglich zur Ausstellung und Überwinterung von Orangenbäumen aus fremden Ländern. Darüber hinaus wurden sie auch häufig für Feste und Repräsentationen genutzt. Die Orangerie im Schloss Schönbrunn hat musikgeschichtliche Bedeutung, denn hier fand 1786 der legendäre Wettstreit zwischen Mozart und Salieri statt.

Blick in die wunderschöne Orangerie.

Das Ensemble des Abends: Acht Musiker, (nicht auf dem Bild) zwei Sänger und zwei Tänzer.

Was machen wir diesmal nicht? Wir gehen nicht ins Burgtheater, ins Wiener Konzerthaus, in den Kursalon Hübner, zu einem Konzert in den Stephansdom, in die Volksoper, ins Ronacher zu Cats, und, und, und … Kultur in Wien braucht Zeit (und Geld). Wenn ich in Wien leben würde, mindestens ein Drittel meiner Ausgaben würden Kultur-affin sein. Wien – wir kommen irgendwann wieder, dann im Mai / Juni.

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