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Semana Santa in Sevilla – Beobachtungen

Im ersten Teil des Beitrages über die Semana Santa 2022 ging es um den Kern, um die Prozessionen. Im zweiten Teil geht es um Beobachtungen vor der Karwoche und während der Prozessionen. Die Karwoche ist natürlich auch ein grandioses touristisches Ereignis. Unvorstellbare Menschenmassen sind in der Stadt. Mit Folgen für den Alltag – volle Gassen, volle Plazas, volle Restaurants, volle Sehenswürdigkeiten und hohe Preise, vor allem für Übernachtungen. Dennoch, es war ein unvergessliches Erlebnis.

Beginnen wir mit Macarena.

Es kommen wirklich Busse mit Gläubigen an, die dann die kleine Kirche überfluten

Der Stadtteil Macarena ist angesagt, nicht nur aus religiösen Gründen. Mit dem Bau der Kirche, seit November 1966 eine Basilica Minor, wurde 1941 begonnen. Die Basilika ist Sitz der Bruderschaft La Esperanza Macarena, deren Prozession in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag die wohl spektakulärste aller Prozessionen ist, nicht nur wegen der 2.700 Teilnehmer. Der Grund liegt vor allem bei einer Frau, der “Nuestra Senora de la Esperanza”, die Herrin der Hoffnung.

Dieses Frauenporträt überflutet Sevilla. Es hängt überall. In Bars, in Schaufenstern, an Balkonen. Und natürlich gerahmt im Wohnzimmer. Sie ist jung und schön, mit Goldbrokat behangen, ausladende Krone auf dem Kopf, auf dem Paso von hohen weißen Kerzen umgeben. Sie ist die religiöse „Autorität“ schlechthin. Geschaffen vor vierhundert Jahren, kann sich bis heute niemand ihrer Magie entziehen.

Gesehen im Stadtteil Triana

Als der legendäre Torero Joselito 1920 von einem Stier in der Arena getötet wurde, kleidete die Bruderschaft die Figur der Jungfrau in schwarze Trauerkleidung, um dem Matador die letzte Ehre zu erweisen. Charakteristisch für La Macarena sind die Tränen auf ihren Wangen – drei auf der linken, zwei auf der rechten. Nicht verwunderlich, dass sich um La Macarena ein professionelles Merchandising entwickelt hat. Selbst die Kirchen gönnen sich ein Stück des Kuchens.

Hier wird ein Euro zu einer religiösen Medaille

Andrang vor dem Beginn der Karwoche auch in der Capilla de los Marineros in Triana.

Von hier startet in der Nacht zu Karfreitag die Bruderschaft La Esperanza de Triana

Triana ist ein lebhafter Stadtteil in Sevilla, grenzt direkt an den Fluss Guadalquivir.

Gedränge in der Kirche, die Menschen wollen die beste Position für ein Foto. Hier die beiden wunderschönen Pasos der Bruderschaft:

Mantillas am Gründonnerstag

Die Bruderschaft „El Valle“ mit der Iglesia de la Anunciacion hat drei Pasos in der Prozession. Gründonnerstag komme ich vom Lunch und sehe vor der Kirche eine Schlange von über 100 Menschen. Ein Blick in den Innenraum verrät mir, dass die Menschen den Pasos huldigen. So stelle ich mich auch geduldig an und nach 22 Minuten bin ich drin.

In der Kirche wird gerne ein Schwätzchen gehalten

Erstaunt bin über die vielen jungen und älteren Frauen, die eine Mantilla tragen, eine Festtracht, in Spitzentechnik gefertigt. Alle tragen schwarz.

Warum fotografiert der Herr das Damen-Quartett von hinten?

Die Träger unter den Pasos

Es sind auf jeden Fall starke Männer, costaleros genannt. Die großen Pasos erfordern bis zu 36 Träger. Was für eine Herausforderung und sportliche Höchstleistung. Das Gewicht von zum Teil deutlich über einer Tonne verteilt sich auf den Schultern dieser Männer, die in etwa gleich groß und gut aufeinander eingestellt sein müssen. Sie können unter dem mit einem Tuch verhängten Altar nichts sehen und nur die Füße ihrer Nebenleute hören.

Kleine willkommene Pause, um die Dunkelheit mit Blicken zu verlassen

Bei zwei Pasos und zwei Trägerteams sind pro Prozession bis zu 144 starke Männer unterwegs

Natürlich trainieren sie über Monate. Einer medizinischen Studie zufolge, haben die Beine der Träger im Augenblick des Anhebens dreihundert Kilo zu tragen. Allgemein gilt das „Laufen“ als nicht so schwer, weil der Gleichschritt relativ leicht ist. Die eigentlichen Herausforderungen liegen im Absetzen und Anheben. Und das kommt bei den vielen Verzögerungen häufig vor. Anheben bedeutet, dass sich alle Träger aus der gebeugten Haltung synchron aufrichten müssen. Dabei bebt die gesamte Altar und schüttelt sich. Die Menschen applaudieren. „Im Gleichschritt – Marsch“.

Gerade hat ein Trägerwechsel stattgefunden. Man sieht die Anstrengung noch in den Gesichtern

Meistens stehen zwei Trägerteams zur Verfügung, die sich alle 30 – 45 Minuten abwechseln. Die Kommandos, zum Beispiel bei Kurven, werden von einem “Vorarbeiter” , einem capataz, durch Rufe und Klopfsignale gegeben.

Es geht in die Kurve. Der Capataz, mit Maske, steuert die Drehung

Balkone und Menschenmassen

Die Balkone an der Prozessionsstrecke sind festlich geschmückt.

Von oben lässt es sich viel entspannter zuschauen als mitten in der Menge. Dennoch – Warten, Enge, Geschiebe („Permisso“) und ständige Bewegung von einer Straßenseite zur anderen machen den Reiz des Zuschauens an der Strecke aus. Zu weit über 90 Prozent tragen die Zuschauer keine Maske.

Ich stehe vorne am Ausgang der Kirche. So muss sich die Prozession ihre Gasse “erobern”. Die Polizei hilft dabei

Auch hier stehe ich nur in der dritten Reihe. Hinter mir ist es voll geworden

Kleine Geschenke erfreuen

Warum strecken die Kinder, aber auch Erwachsene, ihre Hand in Richtung Nazarenos? Weil sie sammeln wollen. Bei den ersten Prozessionen sah ich Heiligenbilder und Sticker. Dann kamen die Bonbons.

Mutti ist für die Logistik zuständig

Es dürfen ruhig ein paar mehr sein

Sie verteilt lieber Heiligenbilder

Zum Abschluss noch zwei kleine Impressionen: Tradition meets Gegenwart und ein kleiner (stummer) musikalischer Gruß aus Sevilla.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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