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Seattle – Liebe auf den zweiten Blick

Der erste Eindruck ist ambivalent. Die Temperaturen sind morgens niedrig, der Himmel ist bis mittags bewölkt, der Pike Place Market ist touristisch überlaufen, die Waterfront under construction. Nichts, was mich spontan begeistert. Weitere 13 Tage später habe ich Seattle schätzen gelernt. Seattle liegt wunderschön zwischen Puget Sound und Lake Washington, hat ein gut ausgebautes Radwegenetz, fasziniert mit dem Seattle Center, ist kulturell attraktiv und lädt fast an jeder Ecke zu Kaffeespezialitäten ein.

Die Lage am Wasser

Downtown an der Elliott Bay, ein idyllischer Lake Union mit dem lebhaften Stadtteil Fremont und die im Grünen gelegene University of Washington am Lake Washington – Seattle verwöhnt mit Wasser und Parks.

Downtown an der Elliott Bay. Im Hintergrund West Seattle.

Der Lake Union.

Das Radwegenetz

Vor allem die großzügigen Radwege am Lake Union und am Lake Washington überzeugen. Ich miete für einen Tag beim Velo Bike Shop in der 6th Avenue, Kosten: 38 Dollar. Mein Weg führt mich am Lake Union vorbei nach Fremont, wo ich zwei außergewöhnliche Skulpturen besuche.

Die Fremont Bridge schließt wieder.

Der Troll lebt unter einer Brücke.

Der Herr steht vor einem Restaurant.

Dann geht es auf dem wunderschönen Burke Gilman Trail vorbei an der University of Washington bis zum Magnuson Park am Lake Washington.

Dort besuche ich den Sound Garden auf dem Gelände der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), ein öffentliches Kunstwerk auf einem Regierungsgelände. Ohne ID kein Zutritt. Mein Führerschein ist ok. Der Sound Garden ist eine Ansammlung von zwölf sechs Meter hohen „Stahlpfeifen“, die durch Wind Töne erzeugen. Als ich dort bin, ist es nahezu windstill. Dennoch – ein Grundrauschen ist hörbar.

Die „Stahlpfeifen“ am Lake Washington.

Lake Washington. eBike (rot) trifft Weltrentner`s Fahrrad.

Auf dem Rückweg lege ich beim Husky Stadion eine kleine Pause ein und bleibe beim Absteigen leicht mit dem Bein hängen. Die Folge: eine Schulterprellung. Ja, als trainierter Marathonläufer der Jahre 1987 bis 2000 wäre mir dies so nicht passiert, aber in solchen Augenblicken wird mir „schmerzhaft“ vor Augen geführt, dass ich auf die 70 zugehe.

Das Seattle Center

Der Blog-Beitrag „Mit dem City Pass unterwegs“ geht auf meine beiden Lieblingsattraktionen sowie das Museum für Popkultur ein. Das Seattle Center ist das touristische Highlight der Stadt. Von unserem Hotel „Hyatt Place“ nur zehn Minuten entfernt.

Chihuly meets Space Needle.

Die Kultur

Sommerpause im Opernhaus, aber noch Konzerte in der Benaroya Hall, seit 1998 Heimat der Seattle Symphony. Ich wähle für meinen Besuch ein Werk von Gustav Holst: Die Planeten. Das Konzerthaus liegt mitten in Downtown. Wenn der Name nicht am Gebäude stehen würde, auf die Idee des Konzerthauses der Stadt Seattle wäre ich nicht gekommen. Funktionalität schlägt Repräsentativität. Das Konzert findet im Mark Taper Foundation Auditorium statt, ein Saal mit 2.500 Plätzen.

„The Planets“ ist eine Suite für großes Orchester, die spezifische Charakteristika von sieben Planeten dem Hörer eindrucksvoll ins Ohr bringt.

Mars ist Planet Nummer eins. Stark, effizient, aggressiv, „the Bringer of War“. Venus Planet Nummer zwei. Schön, lieblich, emotional, „the Bringer of Peace“. Planet Nummer drei ist Merkur. Schnell, geschäftig, kommunikativ, „the Winged Messenger“. Planet Nummer vier ist Jupiter. Heiter, großzügig, hoffnungsvoll, „the Bringer of Jollity“. Planet Nummer fünf ist Saturn. Melancholisch, geduldig, vergänglich, „the Bringer of Old Age“. Planet Nummer sechs ist Uranus. Virtuos, erfindungsreich, listig, „the Magician“. Und Planet Nummer sieben ist Neptun. Sensibel, feinfühlig, geheimnisvoll, „the Mystic“.

Es ist ein höchst intensiver Abend, ein Abend, der mich musikalisch tief beeindruckt. Was für ein tolles Werk des englischen Komponisten Gustav Holst aus dem Jahr 1914.

Der Kaffee

Es gibt in Seattle nicht nur Starbucks. Kleine Coffee Brands sind durchaus eine Alternative zur Weltmarke. Aber ich bin, und bleibe, ein bekennender Starbucks-Fan.

Gibt es auch Schattenseiten? Ja, eine nicht erwartete und eine bekannte. Für eine Weltmetropole hat Seattle ein überraschend unterentwickeltes öffentliches Zugsystem. Die „Central Link Light Rail“ mit 16 Stationen ist die einzige Verbindung in der Stadt von Nord nach Süd, ohne Querverbindungen. Busse dominieren. Ich weigere mich, den komplexen Busfahrplan mit den vielen Umsteigestationen zu verinnerlichen. Wie auch schon vor zwei Jahren in Chicago oder vor einem Jahr auf Hawaii – das Preis-Leistungsverhältnis in den USA ist fast eine Zumutung. Hohe Preise – mittlere bis schlechte Qualität. Wobei natürlich auch der Dollar-Euro-Kurs einen Aufenthalt in den USA teuer macht. Die „Krönung“ in der Dienstleistungsgesellschaft USA ist das Einfordern von Trinkgeld, von 15 bis 24 Prozent, auf der Rechnung als Optionen ausgewiesen. Sorry, ich kann mich mit dieser amerikanischen Trinkgeldkultur nicht anfreunden. Für mich gilt die Gleichung: Guter Service = gutes Trinkgeld. Es gibt keinen Automatismus.

Der Namensgeber am Tilikum Place.

Bye, bye, Seattle.

 

 

 

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