skip to Main Content
Menü
Fullsizeoutput 803f

Long Bar – Littering is encouraged

Kein Hotel in Singapur hat diese Aura. Auch das Marina Bay Sands nicht. Kein Hotel in Singapur verkörpert die Kolonialgeschichte so sehr wie das Raffles, 1887 von vier armenischen Brüdern gegründet. Hundert Jahre später erklärt die Regierung das Raffles zum Nationaldenkmal. Die koloniale Ikone ist nach dem Gründer von Singapur, Sir Thomas Stamford Raffles, benannt.

Leider ist nur die Arkade zur Long Bar begehbar. Ansonsten verdecken hohe Zäune die koloniale Pracht.

Natürlich muss ich ins Raffles, nicht dort wohnen, aber die faszinierende Atmosphäre außen und innen genießen. Doch oh Schreck – das Raffles Hotel an der Beach Road ist für Renovierungsarbeiten geschlossen. Bis August 2019. Die gute Nachricht: Die Long Bar ist geöffnet.

Herzlich willkommen in der Geburtsstätte des Singapore Sling, 1915 vom Bartender Ngiam Tong Boon erfunden.

Dieser Mann hat Geschichte geschrieben.

Wir steigen die wenigen Stufen zur Bar hoch und sehen – oh Schreck zum Zweiten – genau 18 Personen in der Warteschlange.

Die Geschichte von Bar und Getränk auf dem Weg ins „Heiligtum“.

Tief durchatmen. Andere hatten auch die Idee.

Wir überlegen kurz, ob wir wieder gehen sollen, aber nein, wie bleiben und warten. Etwa 30 Minuten. Dann endlich dürfen wir die Schwelle ins Barheiligtum überschreiten. Eine junge Dame weist uns einen Tisch im hinteren Bereich zu. Bester Blick in die Bar und auf den Tresen.

Strategischer Tisch. Alles im Blick.

Die Karte kommt. Natürlich bestellen wir, wie fast alle anderen Touristen, den Original Singapore Sling für 32 SDollar plus sieben Prozent Tax plus zehn Prozent Service Charge, die automatisch aufgeschlagen werden. Das sind 24 Euro.

Tief durchatmen. Die Cocktail-Preise sind rekordverdächtig.

Kein Schnäppchen, aber, so denken wieder fast alle Touristen, wir sind nur einmal hier, und das dürfen wir uns nicht entgehen lassen. Auf meine Frage, wie viele Originale jeden Tag über den Tresen gehen, erhalte ich die Antwort „über 600“. Eine Goldgrube. Damit es schnell geht, nicht jeder Cocktail kann zeitaufwändig manuell gemixt und geshakert werden, unterstützt eine intelligente Shakertechnik den Bartender.

Was ist nun genau das Geheimnis der Singapore Sling, der eigentlich aufgrund der Farbe und des fruchtig-süßen Geschmacks für die Damenwelt gedacht ist?  Ich kann es nicht sagen, der Cocktail schmeckt gut, aber haut mich nicht um. Acht Zutaten machen den Singapore Sling aus: Gin, Cherry Brandy, Dry Curacao, Benedictine, Limettensaft, Grenadine, Ananassaft und Angosturabitter. Der Gast vertraut auf die Original-Rezeptur.

Die Singapore Sling-Zwillinge für 48 EUR.

Zum Getränk werden Erdnüsse serviert. Und hier beginnt die Alleinstellung der Long Bar. Nirgendwo auf der Welt, soweit mir bekannt ist, ist es den Gästen erlaubt, sich ungehemmt der Erdnussschalen zu entledigen. Entsprechend sieht der Boden rund um die Tische aus. Hier in der Long Bar werden die Gäste ermuntert, den Erdnuss-Abfall auf den Boden zu werfen. Littering encouraged.

Peanuts sind kostenlos. Ohne Tax und Service Charge.

Der Boden unter unserem Tisch.

Das zweite Argument für den neugierigen Touristen, die Long Bar zu besuchen.

Der Blick zurück.

Nach einer Dreiviertelstunde zahlen wir. Draußen sehe ich in ca. 20 Gesichter, die es kaum erwarten können, sich auf Erdnüsse und Singapore Sling zu stürzen.

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back To Top