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Silvester in Sydney

Der große Tag ist gekommen. Silvester in Sydney ist der zweite Spiegelstrich, der bei der achtmonatigen Weltreise auf meiner Bucket List steht. Spiegelstrich Nummer Eins war ein Overwater Bungalow auf Bora Bora. Und Spiegelstrich Nummer Drei wird im Februar folgen. Der 31. Dezember beginnt mit einem Sektfrühstück in Kirribilli. Leider verspricht der Wetterbericht keinen rundum sonnigen Tag. Schade, denn die letzten sieben Tage, besonders im Vergleich zu den ersten 14 Tagen, waren außergewöhnlich schön. Übernehmen Wolken und Regen wieder das Zepter?

Wir fahren zwischen 1pm und 2pm mit der Fähre zum Circular Quay. Sehr früh, aber wir müssen noch zu Mittag essen, denn abends im Opernhaus wird es nur flüssige Nahrung geben. Und die Nacht kann lang werden. Die Fähren stellen so gegen 5pm ihre Fahrten ein, wie auch später die Züge über die Harbour Bridge.

Bereits mittags sind die Uferpromenaden „besetzt“. Hier Kirribilli.

Als wir Richtung Harbour Bridge fahren, sehen wir Menschen, die am Ufer mit Zelten und Schirmen campen und auf das mitternächtliche Feuerwerk warten. Grundsätzlich gibt es für Sydneysider und Touristen zwei Optionen, das Feuerwerk zu erleben. Bezahlt oder kostenlos. Die kostenlosen Möglichkeiten, zum Beispiel in bestimmten Parks am Wasser, sind jedoch sehr reduziert. Viele kommen schon am 30. Dezember und verbringen die Nacht im Zelt, um sich die besten View-Positionen zu verschaffen. Ist der Park voll, in der Regel bereits morgens am 31. Dezember, wird er von der Polizei gesperrt. Aber auch die Bezahl-Möglichkeiten sind schnell ausgebucht. So frage ich einen Mitarbeiter, der am Harbour View Lawn in der Nähe des Open Air Cinema mithilft, die „Partystadt“ für NYE zu errichten, wann und für wieviel ich ein Ticket hätte kaufen müssen. Der Vorverkauf beginne schon im März, die Tickets seien in wenigen Wochen ausverkauft und würden im Bereich 500 Dollar kosten, Essen und Trinken extra. Restaurants bieten Silvester-Menüs für über 400 Dollar an, das „The Squire`s Landing, super an der Harbour Bridge gegenüber vom Opernhaus gelegen, eine Party für 1.000 Dollar inklusive Menü an. Und die mehr als einhundert großen und kleinen Boote und Schiffe haben ähnliche Preise für die Wassersicht.

Wir wollen jedoch ins Opera House, und mit ein wenig Glück gelingt es uns, Karten für „La Boheme“ zu kaufen. Beginn: 7:45pm. Wir zahlen pro Karte 399 Dollar. Inkludiert ist das 9pm Feuerwerk für Familien mit Kindern, das wir auf dem Balkon oder im Foyer des Joan Sutherland Theatre sehen können und das Mitternachtsfeuerwerk, das allerdings draußen auf den Terrassen. Denn, das hat man uns nicht gesagt, Foyer und Balkon sind für eine kostenpflichtige Party reserviert, wie im Übrigen auch Foyer und Balkon in der Concert Hall wie auch die Außenbereiche hinter dem Opera House. Überall Absperrungen, private kostenpflichtige Arrangements.

Von 2pm bis 3pm sitzen wir im „Rossini“ zum Lunch. Die Küche schließt um 3pm, da abends das Silvester-Menü für 450 Dollar auf der Agenda steht. Unsere erste Herausforderung: Wie verbringen wir die Zeit bis zum ersten Ton, und die zweite Herausforderung dann später: Schaffen wir es, um Mitternacht die Harbour Bridge in Gänze zu sehen?

2pm am Circular Quay. Noch zehn Stunden bis zum Feuerwerk.

Bis zum Opernhaus haben wir drei Kontrollpunkte (?).

4pm. Warten auf Einlass für den Bennelong Park.

4:30pm. Wir treffen am Opernhaus ein.

Nach dem Lunch gehen wir in den abgesperrten Straßenbereich und trinken im Stamford Hotel noch ein Glas Wein. Und kommen mit zwei Amerikanern ins Gespräch, die heute Abend Sydney verlassen wollen. So schlagen wir konstruktiv Zeit tot. Um 4:30pm, nach zwei weiteren Kontrollen, kommen wir am Opernhaus an. Viele Menschen campieren auch hier.

Campen am Opernhaus – nur möglich an Silvester.

Ein Security-Mitarbeiter sagt mir, dass die Menschen bereits um 3am vor der Einlasskontrolle am Circular Quay gestanden hätten, um dann ab 7am im Laufschritt die besten Plätze zu belegen. Die Menschen, die ich hier sehe, harren also bereits seit über neun Stunden aus, weitere sieben Stunden sind es noch bis Mitternacht.

5pm. Noch sieben Stunden bis zum Feuerwerk.

Zugegeben, der Blick, kostenlos, ist grandios.

Wir erfahren, dass wir erst um 6pm ins Joan Sutherland Theatre dürfen und ab 7:15pm ins Foyer, da dort ab ein Pre-Performance Dinner stattfinde. Also warten wir zunächst im allgemeinen Bereich vor den beiden Häusern. Nette Gespräche mit Locals verkürzen die Wartezeit. Kurz nach 6pm sind wir wieder einen Schritt weiter. Wir dürfen in den allgemeinen Bereich des Joan Sutherland Theatre.

6pm. Wir sind drin.

Ich prüfe den Weg von unseren Plätzen bis zum Foyer / Balkon und schaue mir die Lage auf den Außenterrassen an. Zum Balkon werden wir es um 9pm in der Pause von „La Boheme“ wohl nicht schaffen, da er auf Höhe des Parketts liegt, und wir zu viel Zeit für den Weg dorthin brauchen würden (alle anderen haben ja auch diese Idee). Also konzentrieren wir uns auf das Foyer. Auf den Außenterrassen sehe ich im Besucherbereich keine Absperrungen.

Blick ins Foyer des Joan Sutherland Theatre.

Die Besucherterrassen sind von der Allgemeinheit getrennt.

Ach ja, das Wetter. Um 7pm öffnet sich der Himmel. Es gießt in Strömen, warum heute? Bitte nicht in fünf Stunden.

7pm. Es schüttet heftig. Sonnenschirme im Campingbereich werden zu Regenschirmen.

Das Joan Sutherland Theatre. Wir warten auf Mimi und Rodolfo.

7:45pm. Der erste Akt beginnt. Pause nach dem zweiten Akt. Hektik in unserer Reihe wie auch in anderen Reihen. Alle drängt es zum ersten Feuerwerk. Wir schaffen einen akzeptablen Platz im Foyer, die Sicht auf die Harbour Brücke ist aber durch Fenster und Balken eingeschränkt. Das Feuerwerk dauert acht Minuten, der „Wasserfall“ allerdings nur wenige Sekunden. Hoffentlich ist in drei Stunden unsere Sicht besser. Hier der „Wasserfall“:

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Wir entscheiden, bereits nach dem dritten Akt zu gehen und auf die musikalische Tragik des Todes von Mimi zu verzichten. Wir hatten ja in Melbourne die Inszenierung bereits gesehen, wussten aber zu dem Zeitpunkt nicht, dass „La Boheme“ seit vier Jahren d i e Oper am Silvesterabend in Sydney ist. Auf der Terrasse des Joan Sutherland Theatre, es regnet nicht, finden sich etwa 25 Menschen zusammen. Doch zwischen den beiden Häusern ist eine Absperrung. Wir kommen nicht in den Bereich der Concert Hall. Erst nach Diskussionen von Locals mit den Sicherheitskräften dürfen wir bis zur nächsten Absperrung, die die allgemeine Terrasse der Concert Hall von der eigentlichen Terrasse der Concert Hall trennt. Auch hier, nach Diskussionen mit der Security, mittlerweile kommen weitere Besucher nach dem Ende der Oper zu uns, wird die Absperrung geöffnet, und wir können uns zu den Besuchern der Opern Gala stellen, die in der Concert Hall stattfand. Es ist 10:45pm. Wir haben unser Ziel erreicht. Wir stehen der Harbour Bridge face-to-face gegenüber. Der Regen setzt wieder leicht ein, hört auf, setzt wieder ein, kein Traumwetter für ein Traumfeuerwerk.

11pm. Noch eine Stunde bis zum Feuerwerk.

Romantik auf dem Wasser.

Es ist soweit. Noch fünf Sekunden, die auf dem Pfeilern der Brücke nach unten gezählt werden.

11:58pm. Die Angestellten des Bennelong Restaurants kommen auf die von uns abgetrennte Terrasse des Restaurants.

Happy New Year 2018 – ein peinlicher Fehler der Organisatoren, der die Posts in den sozialen Medien für einige Tage bestimmen sollte. Das Feuerwerk dauert zwölf Minuten, mit 8,5 Tonnen das aufwendigste Feuerwerk in der Silvester-Geschichte. Leider mit ein paar Regentopfen. Hier ein Zwölftel im Video.

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Beim Verlassen des Geländes denke ich über diesen unglaublichen Silvester-Hype nach. Welch ein Zeit- und Kostenaufwand für zwölf Minuten! Aber das ist NYE in Sydney – das Highlight des Jahres. Nur noch elf Monate und 27 Tage bis zur Neuauflage 2019.

Der Hype ist vorbei.

Wir rechnen bei diesen Menschenmassen mit enormen Wartezeiten am Fährterminal. Zu unserer Überraschung kommen wir zügig durch, und auch am Fährterminal ist das Gedränge beherrschbar. Nach 15 Minuten Warten legen wir mit der Fähre nach „North Sydney“ ab und sind kurz nach 1am zu Hause.

1am. Wir sind schon auf dem Weg nach Hause.

Chaos hat es wohl aufgrund der Gewitter am Abend bei der Abreise mit den Zügen gegeben. In der Zeitung lese ich zwei Tage später, dass manche Menschen bis zu vier Stunden gebraucht haben, um mit dem Zug nach Hause zu kommen.

 

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