skip to Main Content
Menü
IMG 8951

Right Now in Curacao

Wir waren mehr als vier Wochen auf Curacao. Drei Wochen hätten es auch getan. Nein, Curacao ist keine langweilige Insel. Curacao hat sogar in einigen Punkten mehr zu bieten als Aruba und Bonaire. Aber Curacao hat mich betroffen gemacht, mich verunsichert und zum Teil enttäuscht. Was ist passiert?

Unsere Unterkunft

Leider haben wir bei der Planung der vier Wochen, anders als auf Aruba bei Sharon, kein vernünftiges Airbnb in zentraler Lage gefunden. Somit via Booking.com das Drei-Sterne-Hotel „Curacao Suites Hotel“ gebucht: mit Frühstück, sehr gute Lage in Otrobanda, 200 Meter entfernt von der Co-Working meiner Frau in der Hoogstraat. Das Personal war ausgesprochen freundlich und hilfsbereit, aber unser großes Zimmer war dunkel wie das gesamte Hotel. Renovierung ist dringend erforderlich. Lichtblick war nur die Dachterrasse. Es war leider die schlechteste Unterkunft auf ABC. Für uns schafft eine gute Unterkunft positive Vibrationen. Auf Curacao waren die Vibrationen negativ. Deshalb sind wir an allen vier Wochenenden in schöne Beach Resorts gefahren. Dazu wird es einen besonderen Blog-Beitrag geben. Unser Learning: Wir werden nie mehr für einen so langen Zeitraum eine Unterkunft ohne Waschmaschine und nur in einem Hotelzimmer buchen. Per se ist das natürlich kein Argument gegen Curacao. Aber leider beeinflussen solche Situationen die Grundstimmung und auch das Urteil über die Insel. Das ist menschlich.

Von der Arubastraat aus gesehen.

Nach dem Hoteleingang rechts führt eine kleine Gasse auf die Breedestraat.

Von der Breedestraat aus gesehen.

Die Sicherheit

Auf Aruba und Bonaire haben wir immer wieder gehört: „Seid vorsichtig auf Curacao. Die Kriminalität ist deutlich höher als bei uns“. Ich frage im Curacao Tourist Board in der Pietermaai 19 nach der Einschätzung. Die junge Dame antwortet: „After 9pm do not walk alone“. Ich bin erstaunt. Dürfen wir denn ab 9pm zu zweit durch die Straßen gehen? Vor allem, wo könnte es gefährlich werden? Auf diese Frage hat sie keine Antwort. Ich höre von einer Holländerin, die schon viele Jahre hier lebt, dass die Restaurants in Punda private Sicherheitsdienste bezahlen. Ich werde auf dem Brion Plein zweimal von Rasta-Leuten angesprochen, ob ich Stoff haben möchte. Aber kein Grund zur Panik. Wir sind nie in eine gefährliche Situation gekommen, obwohl ich auch allein nach 9pm unterwegs war. Hugo Clarinda, stellvertretender Direktor des Curacao Tourist Board, spricht die Herausforderung offen an: „Auf Curacao ist es bei weitem nicht so schlimm wie auf Barbados oder Jamaica. Aber ja, auf Aruba und Bonaire ist die Lage deutlich entspannter“. Ich habe mir tagsüber die Stadtviertel sehr intensiv angeschaut, auch die Nebenstraßen. Warum sollte ich dort nach 10pm spazieren gehen? Es gibt nichts zu sehen und zu erleben.

Nicht von den Früchten naschen.

Wenn alle Stricke reißen …

Die Sauberkeit

Im Vergleich zu Aruba und Bonaire ist Curacao in diesem Punkt deutlich schlechter positioniert. Bei meinen Spaziergängen durch die verschiedenen Stadtviertel von Willemstad hat mich das nicht vorhandene Umweltbewusstsein betroffen gemacht.  Ja, das war vor allem abseits von touristischen Pfaden, aber mir scheint die Mentalität auf der Insel in punkto Umwelt noch sehr entwicklungsfähig. Die nicht bebaute Fläche oder das verfallene Haus werden zur Müllhalde. Sorry, aber auf Aruba und Bonaire habe ich das so nicht gesehen.

An der sehr belebten Breedestraat in Otrobanda.

An der Frederikstraat in Otrobanda.

Der Verfall

Betroffenheit und Verunsicherung. Bei meinen Spaziergängen habe ich sehr viele Häuser gesehen, die unbewohnt oder heruntergekommen sind. Warum? Ich kann das nicht einordnen. Gegenüber von prachtvollen Gebäuden Verfall. Neben Boutique Hotels Verfall. Insbesondere in Pietermaai. Häuserverfall gehört leider zum Stadtbild von Willemstad. Und viele Häuser werden nicht oder nur unzureichend gepflegt. Für sich genommen auch kein Argument gegen Curacao. Aber warum ist das in dieser Häufigkeit anscheinend normal?

Pietermaai. Neben einem guten Restaurant.

Direkt neben dem Pietermaai Boutique Hotel.

Die Menschen

Es mag überraschen, aber ich habe die Locals als nicht sonderlich empathisch empfunden. Für einen Kurzurlauber ist das nicht so wichtig, aber für Langzeitbesucher ist diese Eigenschaft oft wichtiger als touristische Attraktionen. Für mich sind die Menschen, insbesondere im Dienstleistungsgewerbe, Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel, in Physiognomie und Verhalten eher desinteressiert als kundenorientiert. Da haben wir auf Aruba total andere Erfahrungen gemacht. Auf Bonaire war es sehr gemischt. Desinteressiert bedeutet nicht unfreundlich. Ich frage Hugo Clarinda nach den Gründen. „Bei Vielen auf Curacao fehlen Unternehmergeist und Eigeninitiative. Morgens zur Arbeit und abends wieder nach Hause. Damit sind die meisten zufrieden“. Ein – bis zweimal pro Tag zusätzlich lächeln, in Gegenwart des Besuchers, wäre schon ein kleiner Schritt nach vorn. Auf meiner emotionalen Wärmeskala von 1 – 10 (sehr kalt bis sehr warm) würde ich Curacao bei fünf ansiedeln, Bonaire bei sechs und Aruba bei neun. Und eine These bestätigt sich immer wieder: Je besser die Kommunikation vor Ort läuft, desto positiver fällt das Urteil über diesen Ort aus. Auf Curacao, im Unterschied zu Aruba und Bonaire, hatten wir keinen regelmäßigen Austausch.

Ich habe fast vier Wochen nach dem richtigen Schlüssel gesucht, ihn aber nicht gefunden. Sehr zu meinem Bedauern schließt das auch unsere Lions-Bewegung ein. Ich verhehle meine Enttäuschung nicht, aber wir erhielten nach meiner Kontaktaufnahme via Facebook die Einladung zum Club-Lunch vier Stunden vor Beginn. Auf meine Nachricht, dies sei leider zu kurzfristig gewesen, kam das Angebot, uns die Daten für die nächsten Treffen zu schicken. Ich habe meine eMail-Adresse geschickt, der Club hätte natürlich auch wieder über Facebook kommunizieren können. Was geschah? Wir haben nichts mehr von den Curacao Lions gehört.

Streetart.

Wandgemälde im Kura Hulanda Skulptur Garten.

Die Isla Raffinerie

Der Kreuzfahrer nimmt sie auf der Queen Emma Bridge nur beiläufig in der Ferne wahr ebenso wie der Sightseeing-Tourist, der über die Queen Juliana Bridge fährt. Dennoch bestimmt die Raffinerie das Leben auf Curacao. Nach dem Tourismus ist der gewaltige Industriekomplex der zweitwichtigste Wirtschaftsfaktor. Was mich betroffen macht und stark verunsichert ist weniger die Optik. Raffinerien sind nun mal keine architektonischen Attraktionen. Entscheidend sind Funktionalität und Umweltstandards. In beiden Punkten ist die Raffinerie ein Desaster. Technisch vollkommen überaltert. Schon Mitte der 80er Jahre, als Shell die Anlage für einen symbolischen Gulden an die Inselregierung verkaufte, war der Zustand der Raffinerie besorgniserregend. 30 Jahre später ist die Lage katastrophal. Der gegenwärtige Betreiber, der venezolanische Staatskonzern PDVSA, ist pleite. Der Leasingvertrag endet Ende 2019. Verhandlungen mit einem neuen potentiellen Betreiber aus China sind angeblich gescheitert. Seit über 30 Jahren wurde nicht mehr bedarfsgerecht investiert. Der Modernisierungsbedarf liegt bei geschätzten acht bis zehn Milliarden US-Dollar. Eine Mammutaufgabe für die Inselregierung, einen zuverlässigen und modernisierungsbereiten Investor zu finden. Früher waren bis zu 15.000 Menschen in der Raffinerie beschäftigt, heute sind es „nur“ noch knapp 1.000.

Die Menschen auf Curacao trauen den Verlautbarungen der Raffinerie nicht mehr, so eine Holländerin, die seit vielen Jahren auf Curacao lebt. Die Luftverschmutzung sei deutlich an einer „Begrünung“ der Häuser in ihrem Stadtviertel zu erkennen. Die Verursachersubstanz könne auch zu Krebs führen. Forscher haben auch festgestellt, dass mehr als 50 Prozent der Kinder unter 14 Jahren an Asthma leiden. Untersuchungen über die Folgen der jahrzehntelangen Verschmutzung der Umwelt auf die Unterwasserwelt gibt es sicher auch – in verschlossenen Schubladen. Die Aufrechterhaltung des Ökosystems ist eine weitere Mammutaufgabe für die Inselregierung. Denn der Tourismus boomt, und Tauchen und Schnorcheln sind beliebte Aktivitäten. Da sind Geruchsbelästigungen, etwa im 15 Autominuten von Willemstad entfernten Blue Bay Beach & Golf Ressort, das wesentlich kleinere Übel. Eine Privatinitiative, Green Town, will den Abriss der Raffinerie oder zumindest eine signifikante Verkleinerung. Das alternative Konzept von Green Town umfasst Grünflächen, Bürogebäude, Wohnungen und touristische Attraktionen. Die Idee fasziniert, wird aber an der ökonomischen und politischen Realität scheitern. Wenn ich mir vorstelle, wie lange allein eine komplette Sanierung des Areals dauern und kosten würde. Wer soll das bezahlen? Ist das überhaupt machbar? Stilllegung der Raffinerie ist zumindest heute nicht die politische Marschrichtung der Inselregierung.

Blick aus dem fahrenden Auto auf der Queen Juliana Brücke.

Auf einer Hafenrundfahrt.

Ja, Curacao ist für mich keine Traumdestination. Aber eine Insel, die für kurze Aufenthalte sehr viel Schönes bietet: Der Kern von Willemstad mit der Queen Emma Bridge, die wunderbare Natur im Nordosten und die tollen Strände im Nordwesten. Dazu, und zu anderen Highlights, werden entsprechende Blog-Beiträge erscheinen.

Die einzigartige Queen Emma Ponton-Brücke, die Otrobanda und Punda verbindet. Nur für Fußgänger.

Naturgewalt im Shete Boka Nationalpark.

Ein wunderschöner Strand im Nordwesten: Grote Knip.

70 Tage ABC. Unsere Rangfolge der drei Inseln ist klar: Aruba hat mit großem Vorsprung gewonnen, gefolgt von Bonaire und Curacao. A B C – haben wir so nicht erwartet, ist aber nach 70 Tagen unser Fazit.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back To Top