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Reif für die Insel

Viermal pro Tag, 9am, 11am, 1pm, 3pm, legen die Fähren vom Nelson Mandela Gateway in der V&A Waterfront ab. Zwischen 150 – 190 Personen sind an Bord, Preis für Erwachsene 340 Rand, und werden, je nach Fähre, in 25 bis 55 Minuten nach Robben Island gebracht. In der Regel ist der Seegang bewegt, auch bei meiner Überfahrt mit der „Jester“, die genau 53 Minuten für die knapp zwölf Kilometer braucht. Kein Vergleich mit der „Madiba 1“ auf der Rückfahrt, die elegant, innen und außen, in 25 Minuten die Strecke bewältigt.

Die „alte“ Jester.

Die moderne Madiba 1.

Seit 1997 komme ich regelmäßig nach Kapstadt und war noch nie auf Robben Island, das Symbol für die Überwindung der Apartheid. Jetzt aber bin ich reif für die Insel.

Auf Robben Island mit einer Fläche von über 500 Hektar leben heute keine 100 Menschen mehr. Die Insel ist zum touristischen Nationaldenkmal geworden und seit 1999 Weltkulturerbe der UNESCO. Robben Island hat eine bewegte Geschichte. Seit der Landung von Jan van Riebeeck in 1652 war die Insel für die Kolonialmächte eine Verbannungsinsel, für Khoikhoi, Muslime, Xhosa-Anführer und Leprakranke. Im zweiten Weltkrieg wurde Robben Island zur Militärbasis, ab 1961, zur Zeit der Apartheid, Gefangeneninsel für politische Häftlinge und Kriminelle.

Wer heute nach Robben Island fährt, ist nicht an der Geschichte vor 1961 interessiert. Obwohl einige Bauten, wie die Church of the Good Shepherd, von Leprakranken errichtet, oder der Leuchtturm heute noch stehen und bei der Rundfahrt aus dem Bus fotografiert werden können. Die Besucher kommen wegen Nelson Mandela. Der Kult um den berühmtesten Sohn Südafrikas wird auf allen Kanälen gepflegt. Robben Island ist Geschichtsunterricht und Goldgrube zugleich. 1991 wurde das Hochsicherheitsgefängnis für politische Gefangene aufgelöst, 1996 auch der Bereich für „gewöhnliche“ Kriminelle. Seit nunmehr 20 Jahren ist Robben Island für die Öffentlichkeit freigegeben.

Für den Slot 11am kann ich online ein Ticket bestellen, dass ich innerhalb von 24 Stunden bei Pick n Pay abholen und bezahlen muss. Als wir nach leicht turbulenten 53 See-Minuten im Hafen von Robben Island anlegen, beginnt der Run auf die bereitstehenden Busse für die Inselrundfahrt.

Warten auf den Bus.

Die erste Station, aussteigen ist nicht erlaubt, ist das Haus von Robert Sobukwe, in dem er sechs Jahre in Einzelhaft saß. Sobukwe war damals der führende Repräsentant des PAC.

Der erste Stopp.

Die nächste Station ist der Kalksteinbruch, in dem die Häftlinge arbeiten mussten. Kalkstein und Sonne ergeben eine für die Augen dramatische Synthese. So auch bei Mandela.

Die Hölle auf Robben Island: der Steinbruch.

Vorbei an den früheren Häusern für die Wärter geht es zum „Looking Out“, zum Aussichtspunkt mit Erfrischungsstation. Ein Drittel der Zeit für die Rundfahrt wird hier in Anspruch genommen. Der Blick auf Kapstadt ist grandios. Pinguine oder Robben habe ich nicht gesehen.

Schönheit der Natur.

Dann geht es zum eigentlichen „Höhepunkt“, dem Hochsicherheitstrakt. Mit hohen Mauern und beängstigendem Stacheldraht.

Gefangen.

Und der Geschichte des Gefängnisses mit bis zu 3.000 gedemütigten Gefangenen. Wir versammeln uns um einen früheren Häftling, der die Führung durch das Gefängnis macht und uns mit emotionaler Stimme in die Vergangenheit entführt.

Unser Guide.

Wir sehen den „Check In“ Bereich, den Aufgang zur „Poststelle“, die zum Teil noch vorhandene Beschriftung der Sektionen, den Innenhof mit den Schautafeln, in dem früher die Gefangenen Steine klopfen mussten, natürlich die Zelle des Häftlings 466/64, weitere Gebäude in anderen Sektionen, das „Sportgelände“ und als Abschluss eine Gemeinschaftszelle für bis zu 80 Häftlinge.

So war es früher.

So ist es heute.

Sport mit Wachturm.

Unser Guide erklärt die Unterschiede der Ernährung in den Sektionen B und C.

Die Zelle des Häftlings 466 / 64 im Sektor B mit einem kleinen Fenster zum Innenhof ist winzig und kahl, gerade zwei mal zwei Meter groß. Auf dieser Fläche verbrachte Mandela 18 Jahre. Unvorstellbar, wie dieser Mann diese Erniedrigung körperlich und mental weggesteckt hat. Die Zellentür öffnet sich nicht, die Besucher fotografieren von außen. Die Zelle sieht heute anders aus als früher. Denn Mandela hatte statt der Filzdecken ein Bett sowie einen Tisch und ein Regal für seine Bücher.

Die Zelle von Häftling 466 / 64.

Häftlinge waren auf Robben Island nur Nummern. Mandela war 466 / 64, also der 466. Häftling im Jahr 1964. Es hat auch Ausbruchsversuche gegeben, zumindest für die Öffentlichkeit ohne Erfolg. Zu schaffen war die Strecke zum Festland wegen der starken Strömung und den eiskalten Temperaturen eigentlich nicht. Zudem konnten die meisten Insassen auch nicht schwimmen. Mit Neopren sind die elf Kilometer nach Kapstadt heute keine wirkliche Herausforderung mehr. Nach knapp 45 Minuten sind wir wieder in „Freiheit“. Ich gehe noch zum Kramat, der von den übrigen Touristen nicht beachtet wird. Und dann zurück zum Hafen, wo sich bereits mehrere Schulklassen für die Abfahrt aufgestellt haben.

Islamisches Heiligtum auf Robben Island.

Es ist eine ambivalente Erfahrung. Die bedrückende Information über die grausame Monotonie des inneren Insel-Lebens in der Vergangenheit und die Freude an der kargen äußerlichen Schönheit der Insel in der Gegenwart. Schwer vorstellbar, wie Menschen dieses Martyrium überleben konnten.

 

 

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