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Montreal – Fahrradfreundlichste Stadt in Nordamerika

Montreal ist die erste Stadt, in der ich vier Mal ein Fahrrad miete. Für zwei geführte und zwei individuelle Touren. Ich genieße es, mit dem Fahrrad eine Stadt kennenzulernen. Montreal eignet sich dazu hervorragend. Fahrradwege in Innenstadt und Außenbezirken, insgesamt, so eine Statistik, über 600 Kilometer. Zudem sind viele Fahrradwege von den Autos durch Bordsteine getrennt, nicht nur als Symbol auf der Straße eingezeichnet.

Fahrradweg de luxe.

Auf meiner ersten individuellen Tour erkunde ich die beiden Inseln Sainte-Helene und Notre-Dame, die idyllisch im Sankt-Lorenz-Strom liegen. Um 10am starte ich am Parc La Fontaine, einer der vielen grünen Oasen in Montreal. Über die Rue Cherrier und Rue Berri bin ich in 25 Minuten am Tour de l`Horloge im Alten Hafen. Erbaut in den Jahren 1921-1922, steht er seit 1996 unter Denkmalschutz. Der Uhrturm ist ein Denkmal für die Soldaten der Handelsmarine, die während des ersten Weltkrieges getötet wurden.

Blick auf  Jacques Cartier Brücke und Uhrturm.

Beach Feeling am Uhrturm.

Die Jacques Cartier Brücke im Visier.

Dann geht es weiter am Centre des Sciences, Kreuzfahrt-Terminal und Bota Bota Spa vorbei zum Jardins des Ecluses.

Schöne Parkanlagen am Sankt-Lorenz-Strom.

Das SPA-Schiff Bota Bota vor einer Kulisse aus der Vergangenheit.

Hier muss ich über eine Brücke und lande im Hafengebiet.

Dieser Fahrradweg führt mich aus dem Hafengebiet.

Über die Fahrradspur, ja auch in dieser wenig einladenden Gegend wird an die Fahrradfahrer gedacht, komme ich auf die Avenue Pierre Dupuy. Mein zweiter Stopp ist das Habitat 67.

Wohnen in Quadern.

Obwohl schon 51 Jahre alt, ist die Nachfrage nach diesen Wohnungen groß.

Obwohl ein Produkt der Jahre 1966 und 1967, ist der architektonisch außergewöhnliche Wohnkomplex mit 354 stufenförmig aufgestellten Quadern für 158 Wohneinheiten heute immer noch ein Luxus-Wohnobjekt. Einige Wohnungen verteilen sich auf vier Stockwerke.

Weiter geht es über die beiden Brücken „Pont de la Concorde“ und „Pont des Iles“ auf die Insel Notre-Dame, eine künstliche Insel, die 1965 aus dem Aushub für die Metro entstand und zwei Jahre später Teil des Ausstellungsgeländes der EXPO war. Hier liegt mein Hauptziel für diesen Tag, der Circuit Gilles-Villeneuve, die Formel 1 Strecke von Montreal. Seitdem ich in Abu Dhabi mit dem Fahrrad über den Grand Prix Kurs gefahren bin, möchte ich dies auch in den Städten erleben, die wir besuchen und die zugleich Austragungsort für die Formel 1 sind. In Montreal fand das Rennen in diesem Jahr am 10. Juni statt. Sieger: Sebastian Vettel.

Plötzlich bin ich auf der Strecke.

Ich denke darüber nach, wie ich auf die Strecke komme, da bin auch schon dort. Ich habe mit einem zentralen Einlass gerechnet, die Zugänge sind jedoch dezentral. Sogar Fahrradwege, die zum Teil parallel zur Strecke laufen, kreuzen den Grand Prix Kurs. Mit mir Freizeitfahrer, aber vorwiegend Leistungsfahrer, die nur ihre Interessen kennen.

Freizeitfahrer und Leistungsfahrer harmonieren nicht immer.

Als wir in Montreal ankamen, war ich genervt von den vielen Straßenarbeiten. Hier bin ich genervt von den umfangreichen Bauarbeiten, die neben der Strecke stattfinden. Zum Beispiel sehe ich kaum Tribünen, keine Boxengasse und keine Gebäude auf der Start-und Zielgeraden. Tage später erfahre ich, dass nach dem Juni-Rennen eine komplette Renovierung des Grand Prix Kurses begonnen hat.

Gegenwärtig, aufgrund der Renovierung, ist der Circuit eine optisch langweilige Strecke.

Kein Vergleich mit der tollen Atmosphäre in Abu Dhabi. Ich fahre meine drei Runden, vorbei an der Regattastrecke für die Ruder-und Kanuwettbewerbe 1976, vorbei am Lac de Ile Notre Dame mit einem Erlebnisbad und vorbei am ehemaligen französischen Pavillon, der heute Casino ist. Mit 3.200 Spielautomaten und 115 Spieltischen ist das Casino de Montreal die größte Spielbank in Kanada. Zum Gesamtkomplex gehören auch ein Hotel, Restaurants und Bars.

Rechts der Kanal für die Ruder-und Kanuwettbewerbe bei Olympia 1976.

Das heutige Casino.

Die Rennstrecke, 4,361 Kilometer lang, wurde im Juni 1982 nach dem kanadischen Formel-1-Piloten Gilles Villeneuve benannt, der fünf Wochen zuvor in Belgien tödlich verunglückt war.

Start und Ziel.

Die Pole-Position.

Klare Regeln.

Fahrradweg kreuzt Grand Prix Strecke.

Über die „Passerelle du Cosmos“, eine kleine Brücke über den Sankt-Lorenz-Strom, die direkt von der Grand Prix Strecke abgeht, erreiche ich die Insel Sainte-Helene. Ich fahre den wunderschönen Rundweg und schaue mir das imposante Umweltmuseum Biosphere von außen an. Die Zeit reicht heute nicht, um das Museum zu erkunden.

Imposante Erscheinung.

Der Weg zurück nach Montreal geht über die „Pont Jacques Cartier“, für Fahrräder erlaubt. Aber wo ist der Weg zur Brücke? Auf der Autospur sicher nicht. Ich parke mein Fahrrad im Schatten und beobachte den Verkehr. Wo fahren die anderen Fahrradfahrer hin? Nach fünf Minuten ist die Frage beantwortet. Als ich oben auf der Brücke ankomme, staune ich über den Fahrradweg, der sich neben den Autospuren stadtauswärts zieht, erbaut in den Jahren 2001 / 2002. Schutzgitter, 2004 angebracht, verhindern den ungetrübten Blick auf den Sankt-Lorenz-Strom, verhindern aber auch Suizide. Bis 2004 gab es durchschnittlich zehn pro Jahr.

Ich schiebe mein Fahrrad bis zur Brücke.

 

Nach der Brücke fahre ich auf die Avenue de Lorimier und biege dann in die Rue Sainte-Catherine Est ab. Im Le Village Viertel nehme ich einen späten Lunch zu mir. Sehr gut und preislich attraktiver als in Downtown. Das Viertel ist im Tourismus auch als Gay Village bekannt. Rainbow Fahnen und tausende Bälle in Regenbogenfarben, die über der Sainte-Catherine hängen, sind eine Attraktion. Die Dekoration ist übrigens nur ein Sommervergnügen. Anfang Oktober werden alle Bälle entfernt und aus der Fußgängerzone Saint-Catherine wird wieder eine normale Straße für den Autoverkehr.

Mitten im trendigen „Gay Village“.

Nach etwas mehr als fünf Stunden bin ich wieder bei Fitz & Follwell.

Meine zweite individuelle Tour ist im Vergleich zur ersten Tour eine Herausforderung. Ich will auf den Mont Royal, auf der anderen Seite abwärts, durch das Stadtviertel Westmount bis zum Lachine Canal, und dann entlang des Kanals bis zum Parc Rene-Levesque.

Der Mont Royal ist ein wunderbarer „Fitness-Parcours“. Ich steige am Denkmal für George-Etienne Cartier ein, und fahre in Serpentinen den Olmsted-Weg weiträumig hoch, vorbei am Lac aux Castors bis zum Chalet du Mont-Royal. Von der Terrasse ist der Aus-und Weitblick grandios.

Der Lac aux castors.

Blick von der Aussichtsterrasse.

Das Croix du Mont Royal, der nächste Stopp, ist knapp 900 Meter entfernt. Früher stand hier, 233 Meter hoch, ein hölzernes Kreuz, vom Stadtgründer Paul Chomedey de Maisonneuve 1642 aufgestellt. Heute ist das Kreuz aus Stahl, 31 Meter hoch, 1924 errichtet.

Über dem Kreuz kämpfen Sonne und Wolken.

Der Mont Royal ist der Namensgeber der Stadt. Er ist ein Höhenzug mit drei Peaks, alle über 200 Meter hoch. Dem Stadtzentrum zugewandt liegt der knapp 200 Hektar große Park, von Frederick L. Olmsted angelegt. Olmsted hat übrigens auch den Central Park in New York entworfen. Der Park wurde 1876 eröffnet. Auf der dem Stadtzentrum abgewandten Seite liegen zwei Friedhöfe.

Ich fahre auf dem breiten asphaltierten Chemin Remembrance bis zum Chemin de la Cote-des-Neiges, biege links ab. Allerdinge schiebe ich das Rad bis zum höchsten Punkt, um dann dort die Straße zu überqueren. Vor mir liegt das typisch britische Wohnviertel Westmount.

Westmount.

Ich fahre normal auf der Straße. Kurz vor den Trafalgar Condominiums im Chateau-Stil biege ich rechts ab. Am Anfang heißt die Straße „Le Boulevard“, nach dem Schild Westmount „The Boulevard“. Über die Avenue Clarke, es geht steil bergab, erreiche ich den Boulevard de Maisonneuve. Da habe ich ihn wieder, meinen Fahrradweg. Unmittelbar hinter dem Westmount Park geht es über die Rue Courcelle zum Wasser, zum Kanal Lachine.

Am Kanal angekommen.

Entspanntes Radeln.

Ab hier wird Fahrradfahren zum Naturerlebnis. Keine Autos, nur wenige Spaziergänger. Allerdings ist der optische Erlebniswert gering, da links und rechts des Kanals industrielle Vergangenheit und Gegenwart den Ton angeben. Erst am Ende des Fahrradweges, wo sich Kanal und Sankt-Lorenz-Strom treffen, erfreuen Parkanlagen im Stadtteil Lachine und im Park Rene-Levesque das Auge.

In den Parkanlagen von Lachine.

Der Lachine-Kanal beginnt im Lac Saint-Louis bei Lachine und endet nach ca. 15 Kilometern im alten Hafen von Montreal. Im 19. Jahrhundert wurde der 1825 eröffnete Kanal zweimal erweitert, da sich zahlreiche Industriebetriebe entlang des Kanals ansiedelten. 1970 wurde der Kanal geschlossen, da er aufgrund des zunehmenden Transportvolumens und der größeren Schiffe erneut hätte ausgebaut werden müssen, was technisch nicht möglich war. 2002 wurde er dann wieder eröffnet und für den Tourismus freigegeben.

Das industrielle Erbe …

… am Ufer.

Aufgrund von Bauarbeiten muss ich mehrmals die Seite wechseln. Von Lachine bis zum Parc La Fointaine kann ich auf einem Fahrradweg fahren – ein unglaubliches Gefühl. Kurz vor 5pm bin ich wieder bei Fitz & Follwell. Insgesamt werde ich wohl um die 50 Kilometer gefahren sein. Eine tolle Tour, die allerdings auch nur individuell gemacht werden kann. Als Gruppentour ist sie zu lang und gerade auf dem Mont Royal auch anstrengend.

Zurück im Park La Fontaine.

 

 

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