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Montreal – Das kulinarische Trio

Um ehrlich zu sein. Montreal hat mich kulinarisch nicht mitgerissen. Es gibt zwar sehr gute Restaurants, französische Bistros, Steakhäuser, internationale Küche, aber oft ist es die bekannte Fast Food Kultur, wenn auch de luxe, die den kulinarischen Alltag prägt. Wobei das Essen in Pubs durchaus lecker sein kann. Drei Spezialitäten werden in jedem Reiseführer empfohlen und gelobt: Poutine, Smoked Meat und Bagels. Ich habe den Test gemacht.

Tafel aus der Ausstellung „Der Planet Montreal“ im Biosphere.

Poutine. Gehobenes Fast Food. Das wohl beliebteste Gericht in Montreal. Pommes Frites, Käse und Sauce. Hört sich nicht wirklich kreativ an. However, viele Restaurants bieten interessante Variationen von Poutine, zum Beispiel das „La Banquise“ am Parc La Fontaine.

Das farbenfrohe Restaurant „La Banquise“.

Auf meinem Weg von Fitz & Follwell zur Metro sehe ich eine Gruppe von Personen vor einem Restaurant stehen und fotografieren. Das muss ich mir doch näher ansehen. Nach dem Blick ins Restaurant, alle Tische sind belegt, weiß ich, dass ich hier zu Mittag essen möchte. Nur sechs Personen stehen vor mir in der Warteschlange. Für eine Person findet sich schnell ein Platz. Nach einer Minute passiere ich die zwei Dreier-Gruppen und werde an einen Zweier-Tisch geführt, der allerdings so eng gestellt ist, dass eine Person mit Müh und Not Platz findet. Eine lächelnde junge Dame bringt mir das Menü.

Für jeden Geschmack ist eine Poutine dabei.

Ich zähle 31 Variationen von Poutine. Kreative Namen für Gerichte mit verlockenden Zutaten. Mitte der 1950er Jahre wurde Poutine in der Provinz Quebec erfunden. 1957 soll in einer Kleinstadt ein Gast beim Wirt Pommes Frites mit Käsebruch bestellt haben. Daraufhin habe der Wirt geantwortet „Ca va faire une maudite poutine“, das werde eine Riesensauerei. Die Sauce soll später dazugekommen sein, um die Pommes länger warm zu halten. Heute ist Poutine auch in den anderen kanadischen Provinzen weit verbreitet.

Ich entscheide mich für eine kleine (reguläre) Portion „La Elvis“. Am Nachbartisch sitzt eine ältere Dame mit zwei unterschiedlichen Variationen von Poutine. Zwei kleine Portionen für den großen Hunger? Meine Portion reicht voll und ganz.

Mein Lunch: La Elvis.

Es ist lecker, ohne Zweifel. Und nachts nach einer Bar-Tour eine Köstlichkeit, wie mir Martin von Fitz & Follwell versichert. Testnote Poutine: gut. Der Service im „La Banquise“ ist freundlich, die Atmosphäre trotz der vielen Gäste angenehm. Als ich 40 Minuten später das Lokal verlasse, stehen die Poutine-Liebhaber bis zur Straße.

Smoked Meat. Als Sandwich oder pur auf einem Teller scheinbar eine Delikatesse. Ich gehe zur traditionsreichsten Lokalität in Montreal, eine kulinarische Ikone: Schwartz`s Deli am 3895 Saint-Laurent Boulevard. Smoked Meat, serviert wird es mit gelbem Senf, Pommes und einer Gurke, ist Fleisch, das gewürzt, gepökelt, geräuchert und anschließend gedämpft wird – eine Spezialität der jüdischen Küche, die rumänische Einwanderer nach Nordamerika gebracht haben. So gründete Reuben Schwartz 1928 sein Restaurant. Heute gehört der Laden Celine Dion und besteht aus zwei Sektionen: Restaurant und Take Away.

Die Smoked Meat Ikone.

Ich bin überrascht, als ich ankomme. Keine Warteschlange. Es ist 12:20. Der Platz für den Einzelesser ist schnell gefunden, am letzten Tisch ganz hinten im Lokal. Die Speisekarte leuchtet über mir.

Die Speisekarte an der Wand.

Natürlich bestelle ich das Smoked Meat Sandwich, weiß allerdings nicht, dass es unterschiedliche Schnitte des Fleisches gibt. Wer wenig Fett möchte, sollte „Lean“ bestellen. Ist allerdings relativ trocken. Saftiger sind “Medium” und “Medium Fat”. Allerdings mit deutlich mehr Fett. Mir wird ein Mix-Sandwich vorgesetzt: eine Kombination aus “Medium” und “Medium Fat”, dementsprechend bleibt eine große Portion Fett auf dem Teller übrig. Diese Kombination ist wohl der gängige Sandwich-Typ. Das Fleisch ist relativ dick geschnitten.

Mein Lunch: Smoked Meat Sandwich.

Die Beilagen sind extra zu bezahlen. Alkohol schenkt Schwartz nicht aus. Die „Medium“-Hälfte schmeckt gut, die andere Hälfte ist kaum genießbar.

Atmosphäre wie in einem Imbiss.

Testnote Smoked Meat: befriedigend. Schrecklich aber das Ambiente. Vollgepackt mit Touristen, unbequeme Stühle, eng gestellte Tische, unfreundlicher Service, Imbiss-Atmosphäre. Kein Ort, um Essen zu genießen. Nur Barzahlung möglich. Als ich das Lokal um 1pm verlasse, warten mehr als 20 Personen vor der Tür.

Die Warteschlange für den schnellen Lunch.

Einmal im Leben das Smoked Meat Sandwich bei Schwartz Deli probieren. Dabei, so die Insider, gibt es bessere Restaurant für Smoked Meat in Montreal. Zum Beispiel auf der gegenüberliegenden Straßenseite, das Main Deli Steak House, der Lieblingsplatz von Leonard Cohen für ein Smoked Meat Sandwich.

Bagels. Die schnelle Mahlzeit. Auf der North Tour stoppen Martin und ich bei St-Viateur im Mile End. Der Laden ist brechend voll, kein Restaurant, sondern nur ein Verkaufsshop. Bagels werden hier seit 1957 hergestellt. Zu 100 Prozent ohne Konservierungsstoffe. Jeder Bagel wird von Hand gerollt, in Wasser mit Honig gekocht und in einem Holzofen gebacken. Das leicht süßliche Endprodukt ist hervorragend.

Ein Muss für alle Bagel-Freunde.

Handarbeit vor dem Ofen.

Bagels gibt es im St-Viateur in verschiedenen Variationen, etwa in Sesam, Rosmarin mit Seesalz oder Zimt mit Rosinen.

Bagel-Variationen im Angebot.

Welchen Bagel hätten Sie gerne?

Wir essen unsere Sesam-Bagels mit Cream Cheese. Testnote Bagels: sehr gut. Der Kunde wird im Laden mit einem Lächeln bedient. Stammkunden nutzen die Zeit für einen kleinen Plausch. Es geht sehr familiär zu. Auch Leonard Cohen hat hier seine Bagels gekauft.

 

 

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