skip to Main Content
Menü
IMG 7876

Bonaire – Once a visitor always a friend

Mit diesem sympathischen Slogan wirbt die besondere niederländische Gemeinde Bonaire, zehn Flugstunden von Amsterdam entfernt, um Besucher. Mehr als 600.000 Touristen kommen jährlich auf die Insel, 75 Prozent davon als Kreuzfahrer. Dabei hat die Insel nur 18.000 Einwohner. Begrenzte lokale Ressourcen treffen auf überbordenden Tourismus. Kann das gutgehen? Ich habe meine Zweifel. Das offizielle Tourismus-Büro (Tourism Corporation Bonaire) hat gute Ideen, den Tourismus auf der Insel qualitativ weiterzuentwickeln. Maurice Adriaens, der Direktor des Büros: „Wir wollen die Zahl der Flugreisenden in den nächsten Jahren moderat steigern, die Zahl der Kreuzfahrer hingegen deutlich senken“.

Die Rechnung ist einfach: Wer länger auf der Insel bleibt, bringt der lokalen Bevölkerung und Wirtschaft mehr Einnahmen. Der besondere Status der Insel verhindert jedoch eine tatkräftige eigenverantwortliche Planung. Mit den Einnahmen aus der Tourismus Steuer (5,45 Dollar pro Person pro Tag), einer Steuer für Autovermietungen, einer Steuer auf Grundstücke und den Hafengebühren der Kreuzfahrtschiffe (2 Dollar pro Passagier pro Tag) kann der Inselhaushalt weder große Sprünge noch eine zukunftsorientierte Politik machen. Die fiskalische Abhängigkeit von den Niederlanden ist zu groß. Und das Interesse in Den Haag an Bonaire anscheinend zu gering. Schade, denn Bonaire bietet speziellen Zielgruppen wie Tauchern und Sport-Aktiv-Touristen für einen gelungenen Urlaub nahezu optimale Möglichkeiten. Jenseits dieser Zielgruppen wird es aber eng. Das ist erkannt, und somit stehen auch neue Zielgruppen im touristischen Masterplan.

Ich denke, in den nächsten zehn Jahren braucht Bonaire vor allem zwei Dinge. Geld für die Umsetzung von bedarfsorientierten Infrastruktur- und Verkehrsprojekten. Und einen Wandel in der Mentalität der lokalen Bevölkerung, den Tourismus für ihre eigene Zukunft gewinnbringend zu definieren. „Wir wollen nicht den Weg von Aruba gehen, Arbeitskräfte massenhaft zu importieren“, sagt Maurice Adriaens. Ja, dann muss aber eine Qualitätsoffensive her. Die gegenwärtige Einstellung im Dienstleistungsbereich entspricht der spitz formulierten Insider-Charakterisierung der wichtigsten touristischen Zielgruppe „„Taucher haben wenig Ansprüche. Sie tauchen von morgens bis abends, gehen zum Essen und dann ins Bett“. Kann das die Guideline für die lokalen Dienstleister sein?

Bonaire verkauft sich über Sport und Natur. Das kann Bonaire. Der gehobene bis luxuriöse Tourismus jenseits der diversen Sportaktivitäten, zum Beispiel für ältere Zielgruppen, die einfach nur  komfortabel relaxen wollen, findet gegenwärtig auf der Insel nicht statt. Sorry Bonaire, wenn ich den Nachbarn Aruba ins Spiel bringe. Aruba ist flächenmäßig kleiner (179 gegenüber 288 Quadratkilometer) und an Bevölkerung größer (110.000 gegenüber 18.000). Aruba hat es geschafft, in mein Herz vorzudringen. Durch Professionalität im Umgang mit seinen Besuchern, durch Empathie im Dienstleistungsbereich und durch ein attraktives Verhältnis von unberührter Natur und touristischer Infrastruktur.

Tourismus ist ein Spiel der Erwartungen. Der „Gastgeber“ erwartet möglichst viele Ausgaben der Besucher, die Besucher erwarten als Gegenleistung Qualität, Empathie und eine Wohlfühl-Atmosphäre. Es mögen nicht alle so denken, aber ich erwarte von meinem „Gastgeber“ Wertschätzung, mitdenkende Dienstleister und eine komfortable Infrastruktur, die zusammen die Bedingungen für eine Wohlfühl-Atmosphäre in meinem Urlaub schaffen.

Jetzt ist es aber an der Zeit, über das zu schreiben, was mir an Bonaire gefallen hat.

Zunächst die wundervolle Natur. Ob die Mangroven im Osten oder die Küstenabschnitte im Westen und Süden. Den Washington Slaagbaai Nationalpark im Norden haben wir allerdings nicht besucht. Ich hatte zwar einen SUV als Mietwagen, aber nach Unterzeichnung des Vertrages wurde mir eröffnet, dass der Nationalpark für den Wagen off limits sei. Klassische Abzocke. Geführte Ausflüge in den Park hätten zwischen 85 und 100 Dollar gekostet, ohne die Entrance Fee von 25 Dollar. Pro Person. 200 – 250 Dollar für einen klassischen siebenstündigen Touri-Ausflug – das war uns zu viel.

Die Farbe des Wassers entlang der Westküste. So schönes Türkis habe ich flächendeckend auf Aruba nicht gesehen.

Die Begegnungen mit der Fauna. Bis auf Sea Turtles, anscheinend waren wir immer zum falschen Zeitpunkt am richtigen Ort, habe ich alle Protagonisten der Insel kennengelernt: Esel, Papageien, Ziegen, Iguanas, Pferde und Flamingos. Besonders die Flamingo Sanctuaries im Norden und Süden sind fantastisch.

Unsere Unterkunft: die Bridanda Apartments. Unsere Gastgeber, Cinderella und Raymond aus Holland, sind sympathisch und für ihre Gäste da. Unser Cottage war komfortabel, die Anlage mit Pool lädt zum Relaxen ein. In  unmittelbarer Nähe sind tolle Restaurants. Der Spaziergang am Wasser entlang zum Cruise Pier in der Innenstadt dauert ca. 30 Minuten.

Das Restaurant „Ingridients“ im Buddy Dive Resort, 300 Meter von den Bridanda Apartments entfernt. Ein toller Blick von der Terrasse, sehr gutes Essen.

Weitere Highlights folgen im Blog Post „Bonaire – Meine TOP 10“ und „Restaurants auf Bonaire – Meine Top 7“.

Was würde ich mir für Bonaire wünschen?

Fünf Wünsche hätte ich. Zu den fünf Dingen, die mich in diesen 15 Tagen auf Bonaire am meisten gestört haben.

Die Ausbesserung der vielen zum Teil gefährlichen Schlaglöcher auf den Straßen von Kralendijk. Im Landesinnern können die Schlaglöcher als Abenteuer verkauft werden, so wie die natürlichen, nicht asphaltierten Straßen. Aber in der Hauptstadt sowohl in Richtung Nord und Süd?

Die Einrichtung eines öffentlichen Bussystems im Nahbereich, um Touristen innerhalb von Kralendijk von A nach B zu bringen. Ich habe an den Tagen ohne Kreuzfahrer nie Taxis gesehen. Wer keinen Mietwagen hat, ist auf Bonaire „verloren“. Ist der Widerstand der Autovermietungsfirmen so groß? Ein wie auch immer getaktetes Bussystem würde den Komfort für die an der Küste in und außerhalb von Kralendijk wohnenden Touristen enorm erhöhen.

Die Verbesserung der Mentalität im Dienstleistungsbereich. Entweder wird das Wechselgeld kommentarlos ohne Blickkontakt auf den Tresen geknallt, Wechselgeld kommt nicht zurück und erst nach Aufforderung kommt der exakte Betrag inklusive des Trinkgeldes zurück, das Essen kommt ohne Getränk, wobei das Getränk dennoch auf der Rechnung steht, usw. „You are on Boniare – No stress“ steht auf einem T-Shirt einer Servicekraft.

Die stärkere Fokussierung auf Kultur. Es gibt zwar ein Museum über die Geschichte von Bonaire, aber ich hätte mir in Kralendiik mehr lokale Kulturevents gewünscht (tolle Ausnahme: Mangazina di Rei in Rincon). Im Übrigen wären solche Kulturevents auch ein ideales Angebot für die eintägigen Kreuzfahrer. Und ich hätte mir mehr Live-Musik gewünscht. Mein Eindruck: Nach Sonnenuntergang werden in Kralendijk die Bürgersteige hochgeklappt.

Die selektive Bereitstellung von schattigen Plätzen an Stränden.  Zum Standurlaub fährt allerdings niemand nach Bonaire. Drei wunderschöne Strände habe ich kennengelernt: Lac Cai, Klein Bonaire und Te Amo.

Einmal als Besucher immer als Freund. Hat Bonaire mein Herz angesprochen. Ja, aber nicht gewonnen. Bonaire ist mir sehr sympathisch, aber als Nicht-Mitglied der primären sportlichen Zielgruppen würde ich zum jetzigen Zeitpunkt keinen gehobenen Relax-Urlaub auf der Insel buchen.

 

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Wir waren vor 2 Jahren 1 Tag mit dem Schiff auf Bonaire und wollten nun eigentlich 12 Tage nochmals zum ausgiebiegerem Kennenlernen hinfliegen. Das hört sich fuer Nicht-Taucher eigentlich etwas nüchtern an da wir rein optisch die Insel traumhaft finden.
    Trotz alledem hörten wir von Tourimusgebühren und weiteren Nebenkosten die man mit einkalkulieren muss … und dann noch die von euch gemachten Erfahrungen kühlen unsere Freude etwas ab.

    1. Hi Chris, Bonaire ist wunderbare Natur, allerdings nicht so entwickelt wie Aruba und Curacao. Das macht die Insel für die einen attraktiv, für andere weniger. Schnorcheln ist natürlich angesagt, auch wenn ihr keine Taucher seid. Ich würde allerdings nur sechs Tage bleiben, die anderen sechs entweder auf A oder C. Auf jeden Fall vorab einen Wagen mieten – ohne Auto kein Genuss. Die Kosten sind etwas geringer als auf Aruba und etwas höher als auf Curacao. Wenn ihr schon dort seid, dann am besten alle drei Inseln, ist aber in zwölf Tagen nicht zu schaffen. Ich kann Euch nur ermutigen, fliegt nach Bonaire und genießt die Natur. Eine Insel für Strandurlaub ist Bonaire allerdings nicht. Herzliche Grüße, Peter, z.Zt. auf Moorea.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back To Top